Toller Schreibstil

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janicka13 Avatar

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Der Roman "Das Philosophenschiff" von Michael Köhlmeier startet mit einer interessanten Ausgangssituation: Anouk Perleman-Jacob, eine bekannte Architektin am Ende ihres Lebens - so lässt sich anhand ihres Alters von 100 Jahren annehmen - erzählt einem Schriftsteller ihr Leben, damit er eine Biografie über sie schreiben kann, weil er ein Schriftsteller ist, dem ohnehin keiner glaube, selbst wenn er die Wahrheit erzähle. Und genau das sucht sie.
Durch ihre Erzählung erfährt der Leser von dem Schicksal eines kleinen Mädchens, das zu Zeiten der Revolution ein blutiges Sankt Petersburg erlebt hat und mit ihren Eltern aus Russland ausgewiesen wurde, weil die Familie politisch nicht passte, aber auch nicht unbequem genug war, um erschossen zu werden. Solch drastische, aber gleichzeitig unaufgeregte Darstellungen wählt Köhlmeier, wenn er Anouk Perleman-Jacob ihre Geschichte erzählen lässt. Und genauso wie der Protagonist des Romans glaubt man auch Köhlmeier zwar den Anfang dieser Geschichte, die aber zunehmend eine unwahrscheinliche Wendung zu nehmen scheint. Köhlmeier vermischt historische Begebenheiten mit einer Was-wäre-wenn-Erzählung, und zwar auf eine so geschickte gut lesbare Art, dass man ihm gerne glaubt oder jedenfalls gerne weiterliest. Unterhaltsame und auch zum Nachdenken anregende Literatur, definitiv eine Empfehlung.