Großartig!

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DAS SCHÖNSTE ALLER LEBEN
Betty Boras
ET: 17.02.26

In ihrem Debütroman verwebt Betty Boras drei Erzählstränge zu einer vielschichtigen Familiengeschichte über Herkunft, Zugehörigkeit und die Last der Erwartungen.

Vio verlässt 1989 mit ihren Eltern kurz nach dem Sturz der kommunistischen Diktatur die rumänische Region Banat und flieht nach Deutschland. Obwohl sie Deutsch sprechen, bleiben sie Fremde. Unauffällig sein, nicht anecken, bloß keinen Anlass für Gerede geben – so lautet das unausgesprochene Lebensmotto. Die Eltern arbeiten hart, sind pflichtbewusst und fleißig, und doch stellt sich das Gefühl des Angekommenseins nie ein. Erst Vio scheint all das zu verkörpern, worauf sie hoffen: gute Noten, deutsche Freundinnen, die Empfehlung fürs Gymnasium. Schön und klug, so glauben die Eltern, könnte sie es eines Tages schaffen, wirklich dazuzugehören.

Ein weiterer Erzählstrang führt ins 18. Jahrhundert. Die Waise Theresia wächst in einer wohlhabenden Familie auf, die sie wie eine Tochter behandelt. Doch ihre Schönheit bleibt nicht unbemerkt, Gerüchte machen die Runde, auch der Sohn des Hauses begehrt sie. Schließlich gerät Theresia ins Visier der Keuschheitskommission und wird in ein Arbeitslager verschleppt – mit einem Geheimnis, das dort niemand erfahren darf.

Die dritte Stimme gehört einer Ich-Erzählerin aus der Gegenwart. Sie bringt ein wunderschönes Mädchen zur Welt, auf dem die Hoffnungen mehrerer Generationen lasten. Zum ersten Mal steht auf einer Geburtsurkunde als Geburtsort Deutschland. Doch ein Moment der Unachtsamkeit genügt: Heißer Tee verbrüht die Hälfte des kindlichen Gesichts – und mit einem Schlag scheinen all die Erwartungen der Familie zerbrochen.

Liebe Betty, wir kennen uns von Bookstagram, und ehrlich gesagt hatte ich Respekt davor, deinen Debütroman zu lesen. Die Sorge, ihn vielleicht nicht zu mögen, war völlig unbegründet. Ich bin durch die Seiten geflogen, konnte das Buch kaum aus der Hand legen und war am Ende tief bewegt. Dein Schreibstil ist eigenständig und eindringlich. Danke, dass du einen Teil deiner Familiengeschichte mit uns geteilt hast.

Fazit:
Ein autofiktionaler Roman über Vorfahren, die alles liegen und stehen gelassen haben um den nachfolgenden Generationen ein besseres Leben zu ermöglichen. Große Leseempfehlung von mir.
5/5