Großartig
Wie die Siebenbürger Sachsen nach Siebenbürgen kamen, ist halbwegs bekannt, wie sie das Land urbar gemacht haben, wie und weshalb sie ihre wehrhaften Kirchen Burgen gebaut haben, wie ihr Leben in den Gemeinschaften strukturiert war, alles da. Von der deutschen Besiedlung des Banats hat man weniger gewusst. Betty Boras, die Autorin dieses wunderbaren Buches, lässt sich auf dieses Thema ein. Und was sie erzählt, ließ mich innehalten. Die Siebenbürger kamen aus freien Willen, mit dem Versprechen auf Freiheit und eigene Hofstatt, eigenen Grund und Boden. Bei den Banater verlief es anscheinend nicht immer so. Einige kamen in der Tat freiwillig, um der Armut in der Heimat zu entgehen und dem Versprechen von Werbern vertrauten. Es waren Versprechen, die aufgingen. Hof, Grund, sogar Tiere wurden ihnen gegeben. Aber andere kamen keineswegs freiwillig. Die allerkatholischste christliche und gnädigste Majestät Maria Theresia machte es wie die Engländer. Die Engländer zwangsdeportierten ihre Sträflinge nach Australien, die den Kontinent besiedeln mussten. Sehr zum Nachsehen der Aborigines und der australischen Flora und Fauna. Auf Geheiß Maria Theresias wurden der Hurerei bezichtigte Frauen, Diebe und Mörder entlang der Donau ins Banat verschleppt. Da mussten sie in Arbeitslagern arbeiten, bis eine kirchliche Kommission sie für würdig befand, entlassen zu werden, oder bis sie starben. (Ja, die Nazis waren nicht die ersten, die Zwangslager errichteten. Aber sie brachten sie erst zur Perfektion.
Das Banat, heute im äußersten Südwesten Rumäniens gelegen, aufgeteilt zwischen Rumänien, Serbien und Ungarn, war ein Sumpfland, karg und arm. Und die Banater Schwaben schafften innerhalb weniger Generationen, dieses Land zum Blühen zu bringen. Sümpfe wurden trockengelegt, Äcker und Gärten und Obstbäume, Dörfer und daraus Städte gebaut. “Der Erste hat den Tod, der Zweite hat die Not, der Dritte das Brot”. (S. 100) Dieser Spruch beschreibt wie kein anderer, wie sich die Banater Schwaben emporgearbeitet haben. Die erste Generation fand inmitten der harten Arbeit schnell den Tod. Die zweite Generation konnte knapp überleben, entbehrungsreich und arm, aber mit besseren Aussichten. Die dritte Generation und die folgenden schließlich hatten das Land gezähmt, gerodet, bebaut und fruchtbar gemacht und das tägliche Brot war gesichert.
Schon vom Anfang verwebt Betty Boras in ihrem Buch verschiedene Erzählperspektiven: mal ein kleines Mädchen in den 80er Jahren in Rumänien, mal eine junge Frau in der Gegenwart in Deutschland. Im Verlauf des Romans werden wir feststellen, dass das kleine Mädchen in Rumänien und die junge Frau und später die Mutter, eine und dieselbe Person in verschiedenen Etappen ihres Lebens ist. Dann geht Boras zurück in die Zeit, etwa 250 Jahre, zu Theresia, der Urahnin von Vios Familie. Beeindruckend für mich: Betty Boras lässt die Banater Erde selbst zu Wort kommen. Im Wechsel mit Kapitel über das Leben von Theresia und Vio erzählt die Erde selbst von ihrem Schicksal, ihrem Werden, ihrem Verhältnis zu den Deutschen, die sie bewohnen und die sie nun verlassen.
Das Banat, heute im äußersten Südwesten Rumäniens gelegen, aufgeteilt zwischen Rumänien, Serbien und Ungarn, war ein Sumpfland, karg und arm. Und die Banater Schwaben schafften innerhalb weniger Generationen, dieses Land zum Blühen zu bringen. Sümpfe wurden trockengelegt, Äcker und Gärten und Obstbäume, Dörfer und daraus Städte gebaut. “Der Erste hat den Tod, der Zweite hat die Not, der Dritte das Brot”. (S. 100) Dieser Spruch beschreibt wie kein anderer, wie sich die Banater Schwaben emporgearbeitet haben. Die erste Generation fand inmitten der harten Arbeit schnell den Tod. Die zweite Generation konnte knapp überleben, entbehrungsreich und arm, aber mit besseren Aussichten. Die dritte Generation und die folgenden schließlich hatten das Land gezähmt, gerodet, bebaut und fruchtbar gemacht und das tägliche Brot war gesichert.
Schon vom Anfang verwebt Betty Boras in ihrem Buch verschiedene Erzählperspektiven: mal ein kleines Mädchen in den 80er Jahren in Rumänien, mal eine junge Frau in der Gegenwart in Deutschland. Im Verlauf des Romans werden wir feststellen, dass das kleine Mädchen in Rumänien und die junge Frau und später die Mutter, eine und dieselbe Person in verschiedenen Etappen ihres Lebens ist. Dann geht Boras zurück in die Zeit, etwa 250 Jahre, zu Theresia, der Urahnin von Vios Familie. Beeindruckend für mich: Betty Boras lässt die Banater Erde selbst zu Wort kommen. Im Wechsel mit Kapitel über das Leben von Theresia und Vio erzählt die Erde selbst von ihrem Schicksal, ihrem Werden, ihrem Verhältnis zu den Deutschen, die sie bewohnen und die sie nun verlassen.