Nicht so intensiv und tiefgehend wie erhofft

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Betty Boras widmet sich in ihrem Roman „Das schönste aller Leben“ den Themen Schönheit, Herkunft und innerem Konflikt.
Im Mittelpunkt stehen zwei Frauenfiguren – Vio und Theresia –, deren Lebensgeschichten durch Zeit und Generationen miteinander verwoben sind. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen: im 18. Jahrhundert im rumänischen Banat und in der Gegenwart in Deutschland.

Während Theresias Erzählstrang im Banat von Fremdheit, Entbehrung und der "Last" ihrer Schönheit geprägt ist, folgt man Vio zunächst als Kind, das ebenfalls aus dem Banat nach Deutschland kommt, und später als erwachsene Frau. Besonders der Gegenwartsstrang um Vio und ihre Tochter, die nach einem Unfall Narben im Gesicht davonträgt, bildet das emotionale Zentrum des Romans. Vios Fixierung auf die Schönheit ihrer Tochter und ihr Schuldgefühl verleihen der Erzählung zwar psychologische Tiefe, doch dominiert diese Perspektive allzu stark.

Der historische Teil um Theresia bleibt dagegen etwas blass. Vieles wird nur angedeutet, wodurch das reiche erzählerische Potenzial ungenutzt bleibt. Auch wirken die Figuren insgesamt zu wenig ausgearbeitet, um wirklich nachhaltig zu berühren.

Sprachlich ist der Roman durchaus eindringlich und atmosphärisch dicht, doch das Ende kommt etwas zu abrupt und hinterlässt den Eindruck, dass wichtige Fäden ungelöst bleiben. So entsteht das Gefühl, dass „Das schönste aller Leben“ mehr andeutet, als es tatsächlich entfaltet. Die von mir erhoffte Intensivität und Vielschichtigkeit blieb aus.

Ein Roman mit interessanter Grundidee und emotionalem Kern, der jedoch in der Figurenzeichnung und thematischen Tiefe hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.