Schönheit, zerbrechliche Verheißung

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
merkurina Avatar

Von

Binnen einer Woche erschien dieses Buch, “Das schönste aller Leben” und “Das gute Leben”. Verblüffend ähnliche Titel - und dann handelt es sich auch noch jeweils um Familien- bzw. Migrationsgeschichten von Rumänien nach Deutschland. Auch Wien spielt in beiden Romanen eine jeweils zwar kurze aber entscheidende Rolle bei den Wanderwegen der Generationen.

Dennoch sind die beiden Bücher auf den zweiten Blick ganz schön unterschiedlich. Das fängt beim Cover an - sehr geometrisch und strukturiert das eine (“Das gute Leben”), verspielt, bunt, lockend das andere. Paradoxerweise verhält es sich mit dem Text genau anders rum.

Während Nadine Schneiders Erzählweise ruhig und suchend um das Thema der Identitätssuche mäandert, spitzt Betty Boras “In das schönste aller Leben” zu, sie wählt die klarere Form. Und auch der Plot findet im Thema der Migrationsschmerzen noch ein ganz eigenes, das zugespitzt hinein versenkt: Schönheit als Verpflichtung und Sehnsucht, vielleicht aber auch als Fluch. Die Bemühung, zu Gefallen, als Schutzschild, vielleicht aber auch als Weg in die Depression.

So kann Vio nicht anders, als davon ausgehen, dass nichts den Körper entstellen darf, wenn man die Chance haben will (als Frau zumindest), dazuzugehören, es nicht allzu schwer im Leben zu haben. So ging es ihr als Heranwachsende, die relativ frisch nach Deutschland gekommen war, so sieht sie es für ihre Tochter.

Den Hintergrund bildet die Geschichte ihrer Vorfahrin Teresia, die auf ihre offensichtliche Schönheit wenig vertrauen kann, eher zwischen männlichem Begehren und patriarchaler Brutalität ihren schweren Weg findet. Teresias Geschichte wirkt etwas unverbunden und unausgeleuchtet, aber sie wirft ein ganz anderes Licht.

Nur gut, wirklich gut scheint nichts geworden zu sein - Schönheit nichts Beruhigendes, nichts Sicheres. Und das “Schönste aller Leben” gibt es nicht, aber ein eindrucksvolles Buch.