Sehr authentisch

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ellinorliest Avatar

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Schöne Menschen haben es im Leben leichter: Sie haben in der Regel mehr Freunde, verdienen mehr Geld und werden eher bevorzugt. Selbst es Babys erhalten sie mehr Zuneigung. Dieser Tatsache scheint sich Viola sehr bewusst zu sein. Ihr großer Wunsch war es, ein schönes Kind zu haben. Nun ist das Gesicht ihrer Tochter nach einem Unfall jedoch nicht mehr dasselbe. Zu diesem Albtraum aller Eltern kommt hinzu, dass Viola sich selbst für dieses Unglück verantwortlich macht.
Neben Violas Erzählung gibt es noch drei weitere. Dabei ist das Buch geschickt konstruiert: die vier Perspektiven sind eigentlich nur drei, wie sich recht bald zeigt. Denn tatsächlich wissen wir zunächst gar nicht, wer erzählt, die Erzählerin ist namenlos. Doch recht bald wird klar, dass es sich bei der Perspektive von Vio um die Kindheit bzw. Jugend von Violas handelt, die nun auch ihren Namen bekommt.
Die Einordnung von Theresia dauert dagegen etwas länger. Ihre Geschichte spielt in der Vergangenheit, wobei das genaue Jahr länger im Dunklen bleibt. Auch in ihrer Geschichte spielt Schönheit eine Rolle, wobei sie Theresia eher zum Verhängnis wird.
Schließlich gibt es noch eine ganz besondere Sichtweise, nämlich die Banater Erde. Sie hält alles zusammen, ist aber auch Fluch und Segen zugleich.
Das schönste aller Leben enthält eine Vielzahl von Themen: Herkunft, Zugehörigkeit, Schönheit, Ausgrenzung… Dabei wirkt der Roman aber weder überfrachtet, noch entsteht der Eindruck, etwas wäre nur angerissen worden und käme zu kurz. Alles ist wohl durchdacht. Gleichzeitig gelingt es Berry Boras, Figuren zu erschaffen, ich die ich mich äußerst gut einfühlen konnte und deren Schicksal mir sehr nahe ging. Die Autorin, die selbst aus dem Banat stammt und seit vielen Jahren in Deutschland lebt, beschreibt sehr authentisch, welche Auswirkungen die Entwurzelung für die unterschiedlichen Generationen hat: Violas kommt einigermaßen gut damit klar, auch wenn ihr ihre Herkunft immer bewusst ist. Ihren Großeltern dagegen fällt sie viel schwerer, denn alte Bäume verpflanzt man nicht.
Auch sprachlich gefiel mir Das schönste aller Leben wirklich gut. Die Worte sind wohlüberlegt und alles hat einen ganz besonderen Ton, der sich durch das gesamte Buch trägt.
Betty hat einen wunderbaren Roman verfasst, welcher nicht nur aus anderen Debüts hervorsticht, sondern auch aus der Vielzahl an Büchern, die sich mit Herkunft beschäftigen.