Spannend aber viel zu kurz

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peppermintpatty Avatar

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Über Rumänien bekommt man nicht allzu viele Bücher zu lesen. Dieses hier schließt auf jeden Fall so manche Bildungslücke. Auf drei Zeitebenen bereist man hier das Banat, wo wohl über Jahrhunderte hinweg ein reger Austausch stattfand.

Im 18.Jahrhundert wird Theresia ins Banat verschleppt und muss unter schlimmen Zuständen in einem Arbeitslager arbeiten. Was ist ihr passiert zuhause in Österreich?

In den 90er Jahren wandert Vio mit ihren Eltern vom Banat nach Deutschland aus. Allerdings hatten sie sich als deutschstämmige Rumänen das Ankommen viel leichter vorgestellt. Deutschsein gestaltet sich in Deutschland ungewohnt anders.

Und in der heutigen Zeit muss die erwachsene Vio damit klarkommen, dass sie den Unfall verschuldet hat, der ihre kleine Tochter entstellt hat. Endlich angekommen in Deutschland ist da schon wieder ein Aspekt, der sie ausgrenzt. Kann ihre Tochter damit leben, dass sie ein Leben lang auffällt?

Fremdsein, sich anpassen, nicht auffallen, damit haben sich all diese Frauen auseinanderzusetzen. Und dabei kommt dann auch die Frage auf, welchen Stellenwert hat Schönheit? Eine auffallende Schönheit fällt auf, für Theresia hatte das keine guten Konsequenzen. Eine Entstellung fällt auch auf, kann man damit leben? Ist das schönste aller Leben tatsächlich eins, bei dem man unauffällig vor sich hin lebt ohne anzuecken?

Damit beschäftigt sich Betty Boras in diesem Buch einfühlsam. Es ist sehr schön eindringlich geschrieben, alle drei Handlungsebenen fesseln, jedes Schicksal geht direkt zu Herzen. Es ist ein Buch, das man in einem Rutsch liest und so einiges lernt, allerdings ist es auch wirklich kurz.

Der Stoff, der hier behandelt wird, reicht für einen dicken Wälzer und komprimiert auf 240 Seiten kommt einfach alles zu kurz. Allein schon der historische Teil hätte Potenzial für einen veritablen Historienschinken, wird aber quasi im Schnelldurchlauf abgehandelt.

Dieses Buch ist das Romandebüt der Autorin. Ich habe es gerne gelesen, würde aber noch viel lieber das Thema als dicken Dreiteiler erleben. Ich bin gespannt, was sie als nächstes schreibt.