Über Pretty Privilege, Familiengeschichte, transgenerationale Traumata & Identität
»DAS SCHÖNSTE ALLER LEBEN« ist der Debütroman der Autorin & Buchbloggerin Betty Boras. Wie sie bereits auf Instagram geteilt hat, sind einige Elemente von ihrem eigenen Leben und Familiengeschichte inspiriert. Sie schreibt in ihrem Debütroman u.a. über Pretty Privilege, Familiengeschichte, transgenerationale Traumata, Migration & Identität.
»Mit jeder Faser spürte sie ihre Verlassenheit. Sie hatte kein Zuhause mehr, keine Familie. Und auch wenn sie schon immer das Gefühl gehabt hatte, nirgends richtig dazuzugehören, so hatte ihre jetzige Einsamkeit eine neue Dimension erreicht.« THERESIA (20)
Der Roman erzählt auf mehreren Zeitebenen das Leben von zwei Frauen einer Familie, die aus Deutschland über das Wiener Umland in den rumänischen Banat umgesiedelt, und im 20. Jahrhundert zurück ins Schwabenland gekehrt sind. Aus Sicht der jeweiligen Protagonistin wird deren Leben erzählt: THERESIA, die im 18. Jhd. in den Banat geflüchtet ist, in einem Arbeitslager unter schwersten Bedingungen arbeitet und nach einem selbstbestimmten Leben strebt. VIO, die als Kind im 20. Jhd. mit ihren Eltern als Kind zurück nach Deutschland kommt, in Deutschland nach Anerkennung, Identität und Zugehörigkeit sucht. Als dritte Zeitebene lesen wir von Vio aus der ICH-Perspektive als Erwachsene. Dazwischen baut die Autorin ein Stilelement ein, dass Lesende bspw. von Eilf Shafak kennen und lässt ‚DIE BANATER ERDE‘ kurz sprechen. Alle drei Perspektiven zeichnet aus, dass sie sich mit einem selbstbestimmten Leben als Frau, gesellschaftlichen Erwartungen und Schönheit beschäftigen.
»Wie sehr mich jedes Lachen über den Makel eines Kindes trifft. Ich bin eine von ihnen. Die Mutter eines makelhaften Kindes.« ICH (92)
Ich finde die erzählte Perspektive der erwachsenen Vio (Erzählperson: ICH) sehr problematisch. 🚩Ihre Tochter trägt aufgrund von eines Unfall Narben im Gesicht davon und Vio, kann nach diesem Unfall ihre bislang wunderschöne Tochter nicht einmal mehr als ihre Tochter benennen. Ich finde zum Einen hoch problematisch, wie sehr Schönheitsnormen hier reproduziert werden, ohne diese wirklich kritisch zu hinterfragen. Zum Anderen hat dies eine weitreichende Dimension auf Themen wie Gesundheit und Behinderung. (BTW: Auch der Satz ‚Hauptsache das Kind ist gesund‘ ist problematisch und ableistisch …) Dieser Teil des Romans nimmt immer mehr Raum ein. (Immerhin beginnt Vio im Laufe des Romans eine Therapie.) Für mich hat diese Perspektive die anderen sehr überschattet. Es hätte durchaus viel mehr Fokus auf Themen wie Freundschaft, Abschied, Flucht, Diskrimminierung geben können, die im Kontext der deutschen Minderheit in Rumänien literarisch verarbeitet werden können, wie wir es zum Beispiel bei der Schriftstellerin Iris Wolff sehr poetisch und literarisch lesen können. Die teilweise sehr schweren Themen bei der Protagonistin THERESIA werden aber so viel kürzer als VIO’s Geschichte erzählt. Das finde ich sehr schade und hat mich leider nicht überzeugen können. So bleiben die Figuren und Themen für mich relativ flach. Ich hätte den Roman so gerne gemocht, aber leider sollte es für mich nicht passen — und das ist völlig OK. Ich bin mir sicher, dass der Roman seine Leser*innen finden wird und wünsche Betty alles Liebe ♥ und ganz viel Freude auf Lesereise mit ihrem Debüt.
»Mit jeder Faser spürte sie ihre Verlassenheit. Sie hatte kein Zuhause mehr, keine Familie. Und auch wenn sie schon immer das Gefühl gehabt hatte, nirgends richtig dazuzugehören, so hatte ihre jetzige Einsamkeit eine neue Dimension erreicht.« THERESIA (20)
Der Roman erzählt auf mehreren Zeitebenen das Leben von zwei Frauen einer Familie, die aus Deutschland über das Wiener Umland in den rumänischen Banat umgesiedelt, und im 20. Jahrhundert zurück ins Schwabenland gekehrt sind. Aus Sicht der jeweiligen Protagonistin wird deren Leben erzählt: THERESIA, die im 18. Jhd. in den Banat geflüchtet ist, in einem Arbeitslager unter schwersten Bedingungen arbeitet und nach einem selbstbestimmten Leben strebt. VIO, die als Kind im 20. Jhd. mit ihren Eltern als Kind zurück nach Deutschland kommt, in Deutschland nach Anerkennung, Identität und Zugehörigkeit sucht. Als dritte Zeitebene lesen wir von Vio aus der ICH-Perspektive als Erwachsene. Dazwischen baut die Autorin ein Stilelement ein, dass Lesende bspw. von Eilf Shafak kennen und lässt ‚DIE BANATER ERDE‘ kurz sprechen. Alle drei Perspektiven zeichnet aus, dass sie sich mit einem selbstbestimmten Leben als Frau, gesellschaftlichen Erwartungen und Schönheit beschäftigen.
»Wie sehr mich jedes Lachen über den Makel eines Kindes trifft. Ich bin eine von ihnen. Die Mutter eines makelhaften Kindes.« ICH (92)
Ich finde die erzählte Perspektive der erwachsenen Vio (Erzählperson: ICH) sehr problematisch. 🚩Ihre Tochter trägt aufgrund von eines Unfall Narben im Gesicht davon und Vio, kann nach diesem Unfall ihre bislang wunderschöne Tochter nicht einmal mehr als ihre Tochter benennen. Ich finde zum Einen hoch problematisch, wie sehr Schönheitsnormen hier reproduziert werden, ohne diese wirklich kritisch zu hinterfragen. Zum Anderen hat dies eine weitreichende Dimension auf Themen wie Gesundheit und Behinderung. (BTW: Auch der Satz ‚Hauptsache das Kind ist gesund‘ ist problematisch und ableistisch …) Dieser Teil des Romans nimmt immer mehr Raum ein. (Immerhin beginnt Vio im Laufe des Romans eine Therapie.) Für mich hat diese Perspektive die anderen sehr überschattet. Es hätte durchaus viel mehr Fokus auf Themen wie Freundschaft, Abschied, Flucht, Diskrimminierung geben können, die im Kontext der deutschen Minderheit in Rumänien literarisch verarbeitet werden können, wie wir es zum Beispiel bei der Schriftstellerin Iris Wolff sehr poetisch und literarisch lesen können. Die teilweise sehr schweren Themen bei der Protagonistin THERESIA werden aber so viel kürzer als VIO’s Geschichte erzählt. Das finde ich sehr schade und hat mich leider nicht überzeugen können. So bleiben die Figuren und Themen für mich relativ flach. Ich hätte den Roman so gerne gemocht, aber leider sollte es für mich nicht passen — und das ist völlig OK. Ich bin mir sicher, dass der Roman seine Leser*innen finden wird und wünsche Betty alles Liebe ♥ und ganz viel Freude auf Lesereise mit ihrem Debüt.