Weibliche Erfahrungen

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Als Vio noch ein Kind ist, ziehen ihre Eltern und Großeltern mit ihr aus dem rumänischen Banat nach Deutschland, was viele Veränderungen für die Familie mit sich bringt. Jahre später ist Vio selbst Mutter und muss sich nach einem Unfall ihrer Tochter mit Fragen nach Schönheit und Schuld auseinandersetzen. Parallel begleiten wir ihre Vorfahrin Theresia, die im 18. Jahrhundert lebt.
Der Roman greift viele Themen auf und schafft es trotzdem, ihnen Tiefe zu geben: die Schuldgefühle einer Mutter, die Suche nach einer Rolle jenseits der Mutterschaft, Fragen von Identität und Herkunft sowie die Dynamik von Eltern-Kind-Beziehungen. Die Geschichte ist voller Schmerz und Gefühl und hat mich sehr überzeugt.
Betty Boras beschreibt eindrucksvoll, wie es sich anfühlt, Tochter, Mutter und Frau zu sein, wie es ist, mit Erwartungen zu leben und sich immer wieder anzupassen. Vor allem die zweite Hälfte des Buches hat mich sehr gepackt. Die Autorin schildert die verschiedenen Generationen so treffend und ohne Vorwurfshaltung. Obwohl die Biografien im Buch sehr individuell sind, haben viele Erfahrungen etwas Universelles für das Leben als Frau.
Ich konnte mich in vielen Gedanken und Sätzen wiederfinden: darin, dass man im Elternhaus irgendwie immer ein Kind bleibt. Oder darin, wie sehr man versucht, mit dem eigenen Kind alles richtig zu machen und es zu schützen. Und dieses eine Streitgespräch zwischen Vio und ihren Eltern – ich schwöre, ich hab das fast wortgleich schon geführt.
Auch die klare Sprache und die schönen Formulierungen haben mir sehr gefallen.
Fazit: Eine ruhige Geschichte voller Stärke und Gefühl, die mich berührt hat und die ich sehr empfehlen kann.