Zerstörte und zerstörende Schönheit

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maluli Avatar

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Betty Boras hat mit ihrem Debütroman "Das schönste aller Leben" ein eindrucksvolles Buch geschrieben, das den Leser*innen nicht nur die Geschichte der Banater Schwaben näher bringt, sondern auch die Bedeutung von Schönheit und Frausein verhandelt. Sie stellt drei Frauen, ihre Geschichte und ihr Leid in den Vordergrund und spannt einen großen Bogen vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Anfangs sind die Perspektivwechsel zwischen den Frauen ein wenig anstrengend, doch insgesamt liest sich der Roman sehr schnell und man kann ihn kaum aus der Hand legen. Sehr spannend fand ich die Perspektive von Theresia, die aus Wien ins Banat verschleppt wurde, weil sie sich laut einer Keuschheitskommission unmoralisch verhalten hat. Bisweilen nervig und unsympathisch wiederum ist die Vio der Neuzeit, die aufgrund einer Unaufmerksamkeit die Schuld an der Entstellung ihrer kleinen Tochter trägt. Zu sehr dreht sie sich immer und immer wieder um deren zerstörte Schönheit, zu oberflächlich finde ich ihre Gedanken, denn die Betrachtung von Schönheit muss nicht an der Oberfläche bleiben. Dennoch habe ich sehr große Teile des Romans geliebt und war teilweise tief ergriffen. Insgesamt ein Roman, den es sich definitiv zu lesen lohnt.