Zwischen Herkunft, Schönheit und Zugehörigkeit
Im 18. Jahrhundert wird das Banat – zuvor über lange Zeit Teil verschiedener Reiche, darunter auch des Osmanischen – plötzlich österreichisch. Nach den Kriegen ist die Region nahezu menschenleer und muss neu besiedelt werden. Über hunderttausend deutschstämmige Siedler:innen werden mit Versprechen von Land, Vergünstigungen und einem neuen Leben angelockt.
In dieser Zeit kommt auch Theresia ins Banat, eine Vorfahrin der Familie, von der Betty Boras in „Das schönste aller Leben“ erzählt. Jedoch nicht als Siedlerin, sondern als Verbannte und Ausgestoßene. 200 Jahre später verlassen ihre Nachfahren das Banat wieder. Als Deutsche in Rumänien waren sie Teil einer Minderheit, in Deutschland angekommen sind sie plötzlich weder wirklich zugehörig noch eindeutig ‚fremd‘. Szenen aus dieser Zwischenexistenz prägen die Erzählungen aus diesem Zeitstrang. Weitere etwa 25 Jahre später setzt ein dritter Erzählstrang an und wirft u.a. die Frage auf, ob die Familie inzwischen wirklich angekommen ist.
Neben den Themen Identität und Heimat verbindet noch eine andere Ebene alle drei Zeitstränge und mehrere Generationen der Familie: das zutiefst weibliche Thema der Schönheit. Mal führt sie ins Verderben, mal ist ihr vermeintlicher Verlust zum Auslöser einer schweren Depression. Die eine muss ihre Schönheit zum Selbstschutz verstecken, die andere bleibt lieber zu Hause, weil sie die mitleidigen Blicke auf den offensichtlichen Makel nicht erträgt. Immer wieder zeigt der Roman, wie stark gesellschaftliche Schönheitsideale wirken, wie sie trotz bester Absichten von Müttern weitergegeben werden und wie schwer es ist, diese Denk- und Weitergabestrukturen zu durchbrechen.
Da mich die Geschichte der deutschen Minderheiten in Osteuropa ohnehin sehr interessiert, war das schon die halbe Miete, um dieses Buch super zu finden. Was mich dann aber überzeigt hat, war Bettys erzählerische Kraft: Das Spiel mit Namen und Symbolen, das sich durch den Roman zieht, die Bibelreferenzen und natürlich eine die Dramatik, die aufgebaut wird. Besonders originell fand ich, dass die Banater Erde selbst zur Erzählerin wird. Drei Kapitel werden aus ihrer Perspektive geschildert – auch sie ist eine weibliche Perspektive und auch aus ihr spricht unglaubliche Wut – ich liebe das.
Mutterschaft ist ein weiteres sehr präsentes Thema im Roman – eigentlich nicht unbedingt meins, hier fand ich es aber überraschend spannend umgesetzt.
Eine sehr, sehr große Leseempfehlung von mir.
In dieser Zeit kommt auch Theresia ins Banat, eine Vorfahrin der Familie, von der Betty Boras in „Das schönste aller Leben“ erzählt. Jedoch nicht als Siedlerin, sondern als Verbannte und Ausgestoßene. 200 Jahre später verlassen ihre Nachfahren das Banat wieder. Als Deutsche in Rumänien waren sie Teil einer Minderheit, in Deutschland angekommen sind sie plötzlich weder wirklich zugehörig noch eindeutig ‚fremd‘. Szenen aus dieser Zwischenexistenz prägen die Erzählungen aus diesem Zeitstrang. Weitere etwa 25 Jahre später setzt ein dritter Erzählstrang an und wirft u.a. die Frage auf, ob die Familie inzwischen wirklich angekommen ist.
Neben den Themen Identität und Heimat verbindet noch eine andere Ebene alle drei Zeitstränge und mehrere Generationen der Familie: das zutiefst weibliche Thema der Schönheit. Mal führt sie ins Verderben, mal ist ihr vermeintlicher Verlust zum Auslöser einer schweren Depression. Die eine muss ihre Schönheit zum Selbstschutz verstecken, die andere bleibt lieber zu Hause, weil sie die mitleidigen Blicke auf den offensichtlichen Makel nicht erträgt. Immer wieder zeigt der Roman, wie stark gesellschaftliche Schönheitsideale wirken, wie sie trotz bester Absichten von Müttern weitergegeben werden und wie schwer es ist, diese Denk- und Weitergabestrukturen zu durchbrechen.
Da mich die Geschichte der deutschen Minderheiten in Osteuropa ohnehin sehr interessiert, war das schon die halbe Miete, um dieses Buch super zu finden. Was mich dann aber überzeigt hat, war Bettys erzählerische Kraft: Das Spiel mit Namen und Symbolen, das sich durch den Roman zieht, die Bibelreferenzen und natürlich eine die Dramatik, die aufgebaut wird. Besonders originell fand ich, dass die Banater Erde selbst zur Erzählerin wird. Drei Kapitel werden aus ihrer Perspektive geschildert – auch sie ist eine weibliche Perspektive und auch aus ihr spricht unglaubliche Wut – ich liebe das.
Mutterschaft ist ein weiteres sehr präsentes Thema im Roman – eigentlich nicht unbedingt meins, hier fand ich es aber überraschend spannend umgesetzt.
Eine sehr, sehr große Leseempfehlung von mir.