Beklemmend, psychologisch und voller unterschwelliger Spannung

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
sunshine22 Avatar

Von

Schon der Einstieg von „Das Signal“ ist intensiv und geht direkt unter die Haut. Das Erwachen im Krankenhaus, die Amputation und die fehlende Erinnerung an den Unfall erzeugen sofort eine bedrückende Atmosphäre. Ursula Poznanski nimmt sich viel Zeit für die Gedankenwelt der Protagonistin Viola – und genau das macht die Leseprobe so stark. Man spürt ihre innere Leere, die Angst und gleichzeitig diese merkwürdige emotionale Distanz, mit der sie auf das Geschehene reagiert.

Besonders eindrucksvoll fand ich die Darstellung der Beziehung zu ihrem Mann Adam. Nach außen wirkt er fürsorglich und perfekt, doch zwischen den Zeilen entsteht schnell ein Gefühl von Kontrolle, Erwartungsdruck und emotionaler Kälte. Kleine Details – Social Media, Standortfreigaben, gut gemeinte Worte – kippen immer wieder ins Unbehagliche. Man beginnt unweigerlich zu zweifeln, ob Viola wirklich sicher ist und wem sie trauen kann.

Der Schreibstil ist ruhig, präzise und psychologisch sehr fein gearbeitet. Die Spannung entsteht weniger durch Action als durch Beobachtungen, Andeutungen und das stetige Gefühl, dass etwas nicht stimmt.

Die Leseprobe verspricht einen intelligenten Thriller über Macht, Abhängigkeit und Manipulation, der sich langsam, aber gnadenlos entfaltet. Ich bin sehr gespannt, welche Wahrheit hinter dem Unfall steckt – und welches Signal Viola vielleicht zu spät erkannt hat.