Pure Spannung - wenn Kontrolle zur Bedrohung wird

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Mit Das Signal liefert Ursula Poznanski erneut einen Psychothriller, der von der ersten Seite an unter die Haut geht. Die Leseprobe zieht einen sofort in die beklemmende Situation der Protagonistin Viola Decker hinein. Nach einem rätselhaften Unfall verliert sie ein Bein – und mit ihm ihre Selbstständigkeit. Ihr Leben schrumpft auf das Erdgeschoss eines abgelegenen alten Hauses zusammen, das trotz aller Versprechen nicht barrierefrei umgebaut wird. Viola ist gefangen, körperlich eingeschränkt und zunehmend verunsichert.

Die Atmosphäre ist von Anfang an klaustrophobisch. Man spürt Violas Hilflosigkeit, ihr Misstrauen und die wachsende Angst, als Dinge in ihrer unmittelbaren Umgebung plötzlich verschwinden. Auch ihr Mann Adam, der sich nach außen hin fürsorglich zeigt, verhält sich immer seltsamer. Seine Ausreden, sein spätes Nachhausekommen und seine Unnahbarkeit lassen Zweifel aufkommen. Als Viola beginnt, Gegenstände – und schließlich auch Menschen – mit GPS-Trackern auszustatten, kippt das Bedürfnis nach Kontrolle langsam in ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel.
Besonders gelungen ist die Verbindung aus psychologischer Spannung und moderner Technologie. Die digitalen Elemente wirken nicht aufgesetzt, sondern verstärken das Gefühl von Überwachung, Abhängigkeit und Paranoia. Ursula Poznanskis Schreibstil ist wie gewohnt flüssig, bildhaft und präzise. Schon nach wenigen Seiten fühlt man sich gemeinsam mit Viola im Haus eingeschlossen, unsicher, wem man trauen kann – vielleicht nicht einmal den eigenen Wahrnehmungen.

Das auffällig gestaltete Cover passt perfekt zur düsteren, technikgetriebenen Stimmung des Romans. Das Signal verspricht einen hochspannenden Domestic-Noir-Thriller mit Hitchcock-Anklängen, einer starken, glaubwürdigen Heldin und einer Handlung, die tief in die Abgründe von Vertrauen, Macht und Manipulation führt. Ein Buch, das man nicht nur liest, sondern förmlich erlebt – und das einen so schnell nicht wieder loslässt.