besessen
Der Thriller hat mir aufgrund der aktuellen Thematiken angesprochen und sehr gut gefallen. Es werden verschiedenste Inputs eingebracht, von Kryptowährung und die Verwaltung dieser, über Ortungssysteme mittels Tracker und gleichzeitig auch traumatisierende Erlebnisse, wie etwa dass Viola bei einem Unfall ihr Bein verliert und damit klarkommen muss, psychisch und physisch. Dadurch dass die Anzahl der Charaktere stark eingeschränkt ist und auch die Örtlichkeiten nicht häufig wechseln, hat man als Leser*in die Möglichkeit Viola besser kennenzulernen, ihr Charakter erhält durch die vielen Situationen, in denen sie beobachtet und begleitet wird, durch ihre Interaktionen, vor allem aber dadurch, dass sie uns an ihren Gedankengängen und Ideen teilhaben lässt, an Tiefe. Sie geht mit dem Verlust ihres Beines erstaunlich positiv um und ist schon bald in Kampfmodus, lässt sich nichts gefallen und versucht ihr Umfeld zu kontrollieren. Violas Gedächtnisbrücken finde ich gelungen, ebenfalls die Art und Weise, wie sie ihre Tracker symbolisch und akustisch den einzelnen Personen zuordnet. Sie misstraut mit der Zeit allen Personen in ihrem Umfeld, ihrem Mann Adam, ihrer Pflegerin Otilia und sogar bei ihren beiden besten Freundinnen wird sie skeptisch und vorsichtig. Verwundert hat mich, dass sie ihre Schwester, zu der sie einen guten Bezug hat und der sie vertraut, nicht schon vorher Bescheid gegeben hat, und sie zu sich eingeladen hat. Die Verdächtigungen kreisen in Violas Alltag und verstärken sich von Tag zu Tag, sodass sie schon nahezu besessen davon ist, was sich allerdings positiv auf ihre Motivation auswirkt, schnell wieder mobil zu werden. Am Ende werden alle Verdachtsmomente aufgelöst, alle unangenehmen Situationen gelöst, auch wenn dies für meinen Geschmack etwas zu schnell und zu glatt erfolgt.