Der Wolf bleibt heute zu Hause

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jenvo82 Avatar

Von

„Sollte das wirklich der Grund sein, wäre es klüger, ich würde damit aufhören, unsere Beziehung retten zu wollen, denn dann muss ich wohl befürchten, dass er nach einem Ausweg aus unserer Ehe sucht, der nichts mit Scheidung zu tun hat.“

Inhalt

Viola hat nach einem tragischen Unfall im eingestürzten Weinkeller ihr linkes Bein verloren. Ihr Mann Adam engagiert sofort eine Pflegerin für sie und leitet sämtliche Formalitäten in die Wege. Doch die Beziehung hat schon länger Risse, so das Viola befürchtet, dass Adam möglicherweise mehr weiß, als er vorgibt. Leider kann sie sich nicht an das Unglück erinnern und wittert bald hinter jeder Äußerung eine Falle. Damit sie nicht untätig herumsitzen muss und vom Schicksal eingeholt wird, installiert sie ein kleines, feines Überwachungssystem. Mehrere Mini-Tracker, platziert an den richtigen Stellen, geben Ihr Auskunft über den Aufenthaltsort ihres Mannes, der Pflegekraft, ihrer Freundin, des Autos und ihrer Gehhilfen.

Viola findet bald Gefallen an ihrem neuen Hobby und deckt immer mehr traurige Wahrheiten und Zusammenhänge auf: ihr Mann scheint eine Affäre mit ihrer Freundin zu haben, die Pflegekraft soll sie in Schach halten und von irgendwelchen Schritten abhalten, die Adam zum Verhängnis werden könnten. Für ihren Unfall jedoch, muss es eine andere Erklärung geben. Als nach und nach die Erinnerung zurückkehrt, ahnt sie, dass es eine weitere Möglichkeit gäbe, wie sie Adam eine Falle stellen kann und gleichzeitig den zweiten Verdächtigen aus dem Weg räumt…

Meinung

Da ich sowohl die Bücher der Autorin gerne lese, als auch Thriller mit ungewöhnlichen Plots, stand dieser Spannungsroman hier weit oben auf meiner Wunschliste. Und ich wurde nicht enttäuscht. Anfangs hat mich das tiefe Misstrauen der Protagonistin gegenüber ihrem Mann etwas irritiert und auch die Tatsache, wie mühelos sie sich in ihr eigenes Schicksal hineinfindet, aber nach den ersten Seiten verflüchtigt sich dieser Eindruck und weicht einer spannenden Story über Verrat, Missgunst und Bösartigkeit.

Viola wird dabei von ihren Mitmenschen permanent unterschätzt, obwohl sie sich sehr gut in einer Welt, die sich gegen sie verschworen hat, zurechtfindet. Zielgerichtet verfolgt sie ihre eigenen Pläne und lässt sich von Rückschlägen nicht entmutigen. Die konsequente Erzählperspektive der Ich-Erzählerin macht es besonders interessant, weil man dadurch selbst nur ein eingeschränktes Sichtfeld hat. Außerdem hütet sie auch ein Geheimnis, welches die Motivlage des Anschlags auf sie sehr eindeutig werden lässt.

Fazit

Sehr gerne vergebe ich hier 5 Lesesterne für einen temporeichen, interessanten Thriller, der das Augenmerk nicht auf Mord legt, sondern auf Hinterhältigkeit, Rachsucht, Betrug und Manipulation. Abwechslungsreich und unterhaltsam gestalten sich die einzelnen Szenen und der Leser wird zum Miträtseln animiert. Die Protagonisten punkten alle nicht mit vorbildlichen Charakteren und jeder trägt eine dunkle Seite in sich, deshalb ist das Identifikationspotential eher gering, dafür bleibt der Unterhaltungsfaktor das bestechende Argument und lässt die Lesezeit wie im Flug vergehen.