Ein Unfall. Ein Haus. Zu viele Lügen.

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
bücherdrache Avatar

Von

Viola erwacht nach einem Unfall im Krankenhaus – mit einer Amputation und Erinnerungslücken. Zurück in ihrem abgelegenen Haus verändert sich nicht nur ihr Körper, sondern auch ihr Verhältnis zu den Menschen um sie herum. Ihr Mann kümmert sich intensiv, organisiert, entscheidet. Die Pflegerin ist ständig präsent, wortkarg, kontrollierend. Vertrauen wird zur offenen Frage.

Ursula Poznanski erzählt diese Geschichte ruhig und konzentriert. Die Spannung entsteht nicht aus Tempo, sondern aus Enge, Beobachtung und wachsendem Zweifel. Violas eingeschränkte Perspektive prägt jede Szene und macht ihre Unsicherheit nachvollziehbar. Was als Fürsorge beginnt, verschiebt sich zunehmend in Richtung Kontrolle – und zwingt Viola dazu, sich ihren eigenen Handlungsspielraum zurückzuerobern.

Viola ist eine präzise gezeichnete Protagonistin: verletzlich, klug, misstrauisch, mit einer Vergangenheit, die sich erst allmählich öffnet. Auch die Nebenfiguren bleiben bewusst schwer zu fassen und tragen entscheidend zur beklemmenden Atmosphäre bei.

Ein psychologisch dichter Thriller ohne Effekthascherei, der ohne Lautstärke arbeitet und gerade dadurch fesselt. Ein Roman über Abhängigkeit, Macht und das fragile Gleichgewicht zwischen Schutz und Manipulation.