Eine Frau weiß sich zu helfen

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carola1475 Avatar

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Viola Decker verliert bei einem Unfall ein Bein. Ihr Ehemann Adam kümmert sich um alles notwendige, bereitet das Erdgeschoss ihres Hauses für Violas Rückkehr aus dem Krankenhaus vor und engagiert eine Pflegerin. Viola steht Adams Aktivität in nichts nach, gewissenhaft macht sie ihre Übungen und kann es kaum erwarten, ihre Selbstständigkeit zurück zu gewinnen. Denn von der Pflegerin und auch Adam fühlt sie sich nicht nur ständig beobachtet, sondern auch bevormundet und eingeschränkt. Um Hilfsmittel außerhalb ihres Blickfelds schnell finden zu können, stattet sie sie mit Trackern aus und erweitert diese Überwachung bald auch auf Adam, da sie seinen Tagesablauf nachverfolgen können will. Er scheint ihr nicht immer die Wahrheit zu erzählen.
Eine schöne Idee ist der Wiener Stadtplan mit Positionsmarkierungen vorne und hinten im Einband.

Viola erzählt aus ihrer Ich-Perspektive, sie hat Humor und macht sich nichts vor, weckt meine Neugier mit Andeutungen zu ihrer Vergangenheit und hat eine vage, nicht ausgesprochene Ahnung in Bezug auf den Unfall, sie bleibt dem Leser gegenüber eher auf Distanz. Unterschwellige Spannung entsteht durch die Frage, wie genau es zu dem Unfall kam und wie sich die Beziehung zu Adam weiter entwickeln wird. Viola ist eine Protagonistin, die mit ihrer Beharrlichkeit überzeugt und mich überraschen konnte. Wie sie mit ihrer körperlichen Einschränkung zurecht kommt, finde ich glaubwürdig beschrieben.

Ursula Poznanskis eingängiger Schreibstil ist wie gewohnt sehr angenehm zu lesen und sie hat mehrere in der Geschichte angesprochene Themen meiner Meinung nach gut recherchiert und sich eine ungewöhnliche Ausgangssituation für 'Das Signal' einfallen lassen. Mich hat das Buch mit dem schönen, auffälligen Cover und einigen unerwarteten Wendungen gut unterhalten.