fesselnder Thriller mit technischem Aspekt, der einen nicht mehr loslässt

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
sekty Avatar

Von

Es sollte der Beginn von etwas Großen werden: Viola Decker und ihr Mann ziehen in ein abgelegenes Haus mit einem großen Grundstück. Als Innenarchitektin wird es ein Klacks sein, den aktuellen Renovierungsstau in den Griff zu kriegen. Doch dann stürzt der alte Weinkeller ein, begräbt Viola und sie verliert ein Bein.

Ihre Welt beschränkt sich für längere Zeit auf einen Raum im Erdgeschoss, der für sie zu einem provisorischen Schlafzimmer wird. Ihr fällt die Decke auf den Kopf und die eingestellte Pflegerin ist kaum eine Hilfe, da sie wortkrank und abweisend ist. Außerdem unterstellt Viola ihr schnell, dass sie ihre Sachen wegräumen oder sogar mutwillig verstecken würde. Viola macht sich im Internet schlau und bestellt GPS-Tracker, mit denen sie zum Beispiel ihre Krücken auffindbar macht. Sie versteckt auch einen Tracker an ihrem Ehemann – zunächst nur weil ihr langweilig ist und sie sehen möchte, was er so tut. Doch schnell stellt sie fest, dass er sie über seinen Tagesablauf belügt und er wird nicht der Einzige bleiben, der Geheimnisse vor ihr hat.

Die Thriller von Ursula Poznanski sind ein Muss für mich und „Das Signal“ hat mich großartig unterhalten. Zunächst ist es etwas ungewohnt, dass der Roman für den Großteil der Geschichte den Fokus auf Viola und ihr Schlafzimmer hat. Viel größer ist ihr Radius anfangs nicht und da sie die Protagonistin und Ich-Erzählerin ist, erleben wir nur das, was sie erlebt. Könnte bei manchen Autoren vielleicht langweilig werden, bei Poznanski definitiv nicht. Die Autorin hat es geschafft, dass jede Person irgendwie unheimlich ist und dass jeder verschwundene Gegenstand ein fieses Spiel von jemandem sein könnte. Nach und nach tauchen so viele Ungereimtheiten auf, ich habe mich gar nicht mehr getraut irgendjemanden zu vertrauen, denn selbst Viola hat ab und zu etwas umgeben, wo ich dachte: Wer weiß, was da noch ans Licht kommen. Ich habe alles daran geliebt. War durchgehend gefesselt, habe jede neue Information aufgesogen und es steckte viel mehr dahinter, als ich zunächst erwartet habe.

„Dieser Psychothriller ist Domestic Noir vom Feinsten“ sagt der Verlag und die Beschreibung passt perfekt. Häusliche Gewalt (nur selten körperlich), dunkle Geheimnisse, Verrat an jeder Ecke und eine scheinbar perfekte Fassade, die mehr und mehr bröckelt, als Viola ihre Nachforschungen intensiviert. Poznanski hat mich damit richtiggehend in einen Bann versetzt und ich habe das Buch verschlungen und geliebt. Konnte ich einmal nicht mehr weiterlesen, habe ich zwischendurch das Hörbuch genutzt und Tessa Mittelstaedt gelauscht, die die Gefühle der Protagonistin und das beklemmende Gefühl, dass jeder sie verraten haben könnte, sehr gut mit ihrer Stimme umgesetzt hat.

Fazit: Wieder einmal ist es Ursula Poznanski gelungen eine Thrilleridee mit einem technischen Aspekt zu einer absolut fesselnden Lektüre zu verweben. „Das Signal“ hat mich nicht mehr losgelassen und ich habe alles daran geliebt.