Fünf tote Geier fressen vierundzwanzig Katzen im Mondschein

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odile Avatar

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Viola erwacht in einem schlimmen Albtraum. Sie liegt im Krankenhaus, weil ihr alter Weinkeller eingestürzt ist und sie unter seinen Trümmern begraben hat. Ihr linkes Bein musste amputiert werden. Die junge Frau ist am Boden zerstört und ebenso fassungslos wie ihr Ehemann Adam. Doch trotz allen Kummers fragt sie sich bald, wie der Unfall passieren konnte. Warum sollte sie in ein abgesperrtes, einsturzgefährdetes Gewölbe gehen? Und das bleibt nicht die einzige Ungereimtheit, die ihr auffällt.

„Das Signal“ ist der neueste Thriller von Ursula Poznanski. Ich war schon sehr gespannt auf das Buch und wurde nicht enttäuscht.

Wie reagiert eine aktive, erfolgreiche Mittdreißigerin, die plötzlich mit einer schweren körperlichen Einschränkung konfrontiert wird? Mit Depressionen oder Paranoia? Viola ist zunächst schwer angeschlagen und verunsichert. Der Schatten vor der Tür, die Geräusche in der Nacht. Sind sie real? Bald erkennt sie, dass es so nicht weitergehen kann und beschließt, ihr neues Leben in den Griff zu bekommen. Schnell merkt sie, dass ihre Pflegerin Otilia, sie nicht nur versorgt, sondern auch überwacht und bespitzelt. Ihr Mann hat die Betreuerin ohne Rücksprache mit Viola eingestellt und besteht, angeblich aus Sorge, auf ihrer Weiterbeschäftigung. Seine Frau meint ein verändertes Verhalten Adams ihr gegenüber zu spüren. Sie ist emotional im Zwiespalt. Fortan macht sie nicht nur fleißig ihre Übungen, sondern sinnt auch auf eine Möglichkeit, sich Gewissheit zu verschaffen. Über Adam, über Otilia und über den Grund für ihren Unfall. Antworten auf diese Fragen tun not, denn auch Viola hütet ein brisantes Geheimnis.

Ursula Poznanski schafft es, eine düstere, immer bedrohlichere Atmosphäre zu schaffen, in der eine Art Katz-und-Maus-Spiel abläuft. Der Hauptcharakter Viola gerät zunehmend unter Druck und scheint in einer ausweglosen Situation gefangen. Doch die junge Frau verfügt über Kreativität, Intelligenz und einen starken Charakter. Sie beißt die Zähne zusammen, wägt ab, welche Optionen ihr bleiben, welche am vielversprechendsten sind und wie sie sich und ihr Geheimnis schützen kann. Auch die anderen Charaktere wirken glaubwürdig. Doch die Figur, mit der ich stets mitfiebere, ist Viola. Wird sie es schaffen, Antworten zu bekomme? Wird sie überleben? Mit ihrem klaustrophoben Beinah-Kammerspiel hat mich Ursula Poznanski erneut in ihren Bann geschlagen. Etliche Winkelzüge und Wendungen sorgen für dauerhafte Spannung. Nichts ist so, wie es scheint. Scheinbar Sinnloses wird plötzlich verständlich.

Ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es mit Viola weitergeht. Die Spannung hält bis zuletzt und das Ende ist schlüssig. Von mir gibt es die volle Punktzahl.