Gefangen im eigenen Haus

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anja_steinvorth Avatar

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Inhalt: Viola verliert bei einem Unfall ihr Bein. Ihr Mann kümmert sich liebevoll um sie, doch in ihrem eigenen Zuhause fühlt sie sich zunehmend eingeschränkt und von der engagierten Pflegerin beobachtet. Um wieder Kontrolle über ihr Leben zu erlangen, beginnt Viola, Menschen und Gegenstände in ihrem Umfeld mithilfe von Trackern zu überwachen. Gleichzeitig fragt sie sich, warum ihr Mann sie über seinen Tagesablauf belügt. In ihr wächst ein beunruhigender Verdacht.

Mein Leseeindruck: Der Schreibstil von Ursula Poznanski ist flüssig und bildhaft, sodass ich regelrecht durch die Seiten geflogen bin. Während des Lesens blieb für mich lange unklar, wem ich in dieser Geschichte überhaupt trauen kann. Jeder schien seine eigenen Ziele zu verfolgen und mehr zu verbergen, als er preisgab.

Besonders beeindruckt hat mich die Darstellung der Hauptfigur. Violas Schock über den Verlust ihres Beins sowie ihr mutiger, zielstrebiger Versuch, so schnell wie möglich in ein unabhängiges Leben zurückzukehren, waren für mich absolut nachvollziehbar. Auch ihr Wunsch, wieder Kontrolle zu erlangen statt nur kontrolliert zu werden, erklärt viele ihrer Handlungen auf überzeugende Weise.

Allerdings konnte die Spannung für mich nicht durchgehend konstant gehalten werden und zwischendurch schlichen sich kleinere Längen ein. Zudem hatte ich einen Teil der späteren Auflösung bereits recht früh im Geschehen geahnt.

Fazit: Trotz kleinerer Schwächen ist dies ein solider und unterhaltsamer Psychothriller. Er punktet vor allem mit einer eindringlich gezeichneten Hauptfigur und spannenden moralischen Fragen rund um Kontrolle und Vertrauen.