Gefangen im eigenen Leben

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doroko Avatar

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„Das Signal“ ist das erste Buch, welches ich von Ursula Poznanski gelesen habe. Das Thema hat mich derart gepackt, dass ich nach dem Lesen erst einmal die Standorteinstellungen auf meinen Geräten überprüft habe :-). Denn die Autorin nimmt ein alltägliches Stück Technik – in diesem Fall GPS-Tracker – und verwandelt es in ein Instrument des puren psychologischen Horrors.
Mit Viola bin ich sofort warmgeworden, weil mich ihr Schicksal von der ersten Seite an berührt hat: Nach einem schweren Unfall ist ihr linkes Bein amputiert, sie ist ans Haus gefesselt und auf die Hilfe ihres Mannes Adam angewiesen. Doch was wie fürsorgliche Pflege aussieht, als er die Pflegerin Otilia engagiert, beginnt sich schnell wie ein goldenes Gefängnis anzufühlen.
Welche perfide Rolle spielt sie? Ist sie eine Hilfe oder eine Aufseherin für Viola? Um dieser Ohnmacht zu entkommen, greift Viola zu einem digitalen Hilfsmittel: Sie bestellt heimlich kleine GPS-Tracker und beginnt, ihr Umfeld zu überwachen.Und zu sehen bzw. zu lesen, wie die kleinen Punkte auf ihrem Display sich an Orte bewegen, an denen sie eigentlich gar nicht sein dürften, hat bei mir für Nervenkitzel gesorgt. Hier stellte sich dann auch gleich die Frage: Ab wann heiligt der Zweck die Mittel?
Die Handlung lebt durch ein beklemmendes Domestic-Noir-Feeling: Die räumliche Enge in Violas Haus in Wien ist fast physisch spürbar, was eine unglaubliche Spannung erzeugt und ich mich beim Lesen teilweise genauso isoliert und hilflos fühlte wie sie.
Natürlich ist Viola ist keine perfekte Figur. Sie ist, wie wohl viele Leute in einer solchen Situation, verletzlich, bissig, macht Fehler und wird durch ihre Überwachung selbst fast obsessiv. Auch die anderen Charaktere wie z.B. ihr Mann Adam, der sich immer mehr verändert, oder die distanzierte Otilia sind vielschichtig gezeichnet.
Dank des flüssigen und fesselenden Schreibstils sowie der kurzen Kapitel konnte ich nicht aufhören zu lesen. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen, um dann zu einem fulminaten Ende zu kommen, welches ich zwar geahnt hatte, aber trotzdem überrascht wurde.
Nun bleibt mir nur noch, „Das Signal“ allen Lesenden empfehlen, die intelligente Psychothriller lieben, die ohne viel Blutvergießen, aber mit maximalem Nervenkitzel auskommen.