Geschichte mit Sogwirkung

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delizzy Avatar

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Das Signal von Ursula Poznanski ist kein klassischer Thriller, der einen mit Action erschlägt, sondern ab der ersten Seite einen Sog entwickelt, der sich stetig aufbaut und einen immer weiterlesen lässt.

Im Mittelpunkt steht die erfolgreiche Innenarchitektin Viola Decker, deren Leben sich über Nacht durch einen Unfall mit Verlust eines Beines drastisch verändert.
Kaum aus dem Krankenhaus entlassen, sieht sie sich nicht nur einer ihr komplett unsympathischen und unheimlichen Pflegerin ausgeliefert, die ihr Mann ihr vor die Nase gesetzt hat, sondern stellt auch merkwürdige kleine Veränderungen an ebendiesem Ehemann fest.

Gefangen im Erdgeschoss des eigenen Hauses und komplett auf Hilfe angewiesen, bestellt sie sich im Internet eine Anzahl kleiner Tracker.
Zuerst nur, um Gegenstände zu finden, die auf merkwürdige Weise verschwinden.
Bald jedoch erweitert sie die Zahl der "Verfolgten" um ihren Mann und Freundinnen, als sie im Verhalten ihres engsten Umfeldes Veränderungen feststellt.

Aus Misstrauen wird Neugier, aus Neugier wird Unbehagen, denn Viola hat nicht nur ihr Bein, sondern auch ihre Erinnerung daran verloren, wie es zu dem tragischen Unfall kam, bei dem sie ganz allein gewesen sein soll.

Als nach und nach Bruchstücke in ihrem Gehirn auftauchen und sich zu einer vagen Idee zusammenfügen, erkennt Viola, dass hinter dem Unfall und ihrem Misstrauen etwas ganz anderes steckt.

Ich war begeistert von Violas Einfallsreichtum beim Überwinden von Hindernissen im eigenen Haus und konnte ihr „Ich schau nur mal kurz nach“-Gefühl nachvollziehen.
Tracking, Beobachten, Interpretieren… und plötzlich ist da diese unterschwellige Frage: wer verliert hier eigentlich gerade die Kontrolle?

Die Spannung wird durchgehend gehalten und die Story ist kein lauter Thriller, sondern einer, der sich eher leise unter die Haut schiebt.
Man ist die ganze Zeit nah an der Hauptfigur dran, versteht ihre Gedanken – und ertappt sich gleichzeitig dabei, wie man innerlich einen Schritt zurückweichen will und Angst davor hat, zusammen mit Viola erwischt zu werden.

Sprachlich ist das Ganze, wie man es von Ursula Poznanski kennt, super zugänglich. Lässt sich flüssig und angenehm lesen, ohne jemals oberflächlich zu wirken.

Für mich ein Highlight, bei dem ich nach jeder Seite unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht und das mich mit unerwarteten Wendungen immer wieder überrascht hat.