Gut unterhaltsam

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majca_ Avatar

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Dieser Thriller hat einen starken Einstieg; der Moment, in dem die Protagonistin im Krankenhaus aufwacht und begreift, dass sie ein Bein verloren hat zieht einen sofort in die Geschichte.
Auch stilistisch ist das Buch sehr zugänglich, flüssig erzählt, gut lesbar und durchweg unterhaltsam, wenn auch nicht hochspannend.

Zu den überzeugenderen Aspekten gehört für mich auch die Darstellung der Wochen nach der Amputation. Das Thema wird ernst genommen, ohne den Thriller-Fokus zu überlagern. Diese Balance hat gut für mich funktioniert.
Irritiert hat mich hingegen die emotionale Glätte der zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Protagonistin erreicht sehr schnell einen Punkt an dem sie die Entwicklungen größtenteils nüchterner betrachtet, als man meinen sollte. Einerseits ist das erfrischend, wenn man sich viele andere Thriller-Protagonistinnen vor Augen hält, andererseits bewegt man sich auch an der Grenze des Glaubwürdigen.
Auch der plottwist am Ende ist zwar genrebedingt vorhersehbar, aber hat keine erkennbare psychologische Herleitung.

So hatte ich beim Lesen nie das Gefühl wirklich gefordert oder beunruhigt zu werden. Das Buch funktioniert und unterhält, hinterlässt aufgrund seiner begrenzten emotionalen Tiefe keinen jedoch besonderen Nachhall.