Misstrauen hinter verschlossenen Türen
Das Cover entspricht eigentlich nicht meinem typischen "Beuteschema". Die kräftigen Farben und das Motiv wirken aber modern, leicht bedrohlich und passen sehr gut zum Gefühl von Überwachung und Kontrollverlust - ein Thema, das sich durch die ganze Geschichte zieht.
Der Schreibstil von Ursula Poznanski ist wie gewohnt sehr zugänglich und flüssig. Die kurzen Kapitel sorgen dafür, dass man schnell vorankommt und immer wieder denkt, man liest noch eben ein paar Seiten. Erzählt wird aus Violas Ich Perspektive, was gut funktioniert, weil man als Leser genau so viel weiß wie sie selbst. Ihre Gedanken kreisen, zweifeln, hinterfragen und genau diese Unsicherheit überträgt sich stark auf die Stimmung des Buches. Die Spannung entsteht dabei weniger durch actionreiche Szenen, sondern vor allem durch das unterschwellige Gefühl, dass jemand die Kontrolle hat und Viola ihr Stück für Stück entzogen wird.
Viola als Protagonistin mochte ich insgesamt gern. Ihre Situation ist extrem, aber nachvollziehbar geschildert. Der Verlust ihres Beines, die Abhängigkeit von anderen und das Gefühl, im eigenen Zuhause nicht mehr frei zu sein, sind sehr präsent. Besonders gut fand ich, wie ihr Misstrauen langsam wächst. Nicht plötzlich, sondern schleichend.
Ihr Mann Adam wirkt von Anfang an unangenehm, ohne direkt eindeutig böse zu sein. Genau dieses Ungleichgewicht zwischen Fürsorge und Bevormundung macht die Dynamik zwischen den beiden so unangenehm und spannend. Auch die Pflegerin bleibt lange schwer greifbar und trägt viel zu dieser beklemmenden Atmosphäre bei.
Die Idee mit den Trackern und der technischen Überwachung fand ich spannend und gut in die Handlung eingebettet. Es wirkt nicht futuristisch, sondern nah an der Realität und genau das macht vieles daran so beunruhigend. Gleichzeitig hatte das Buch für mich im Mittelteil ein paar Längen. Manche Gedankengänge wiederholen sich und einige Schlüsse, die Viola zieht oder eben nicht zieht, haben sich für mich etwas gezogen. Als Leser ist man stellenweise schon weiter, während die Geschichte noch ein wenig auf der Stelle tritt.
Das Ende bringt dann noch einmal Bewegung hinein und fügt vieles sinnvoll zusammen. Der große Aha-Moment blieb für mich zwar aus und manches war vorhersehbar, trotzdem hat sich das Gesamtbild stimmig angefühlt. Ich hätte mir an ein oder zwei Stellen etwas mehr Zeit für die Auflösung und die emotionale Nachwirkung gewünscht, gerade im Hinblick auf Violas persönliche Entwicklung.
Fazit:
"Das Signal" ist ein spannender, atmosphärischer Psychothriller, der vor allem durch seine Idee, die dichte Stimmung und die Perspektive der Protagonistin lebt. Nicht alles ist perfekt ausbalanciert und im Mittelteil gibt es kleinere Längen, aber insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten und bis zum Ende bei der Stange gehalten.
4/5 Sterne
Der Schreibstil von Ursula Poznanski ist wie gewohnt sehr zugänglich und flüssig. Die kurzen Kapitel sorgen dafür, dass man schnell vorankommt und immer wieder denkt, man liest noch eben ein paar Seiten. Erzählt wird aus Violas Ich Perspektive, was gut funktioniert, weil man als Leser genau so viel weiß wie sie selbst. Ihre Gedanken kreisen, zweifeln, hinterfragen und genau diese Unsicherheit überträgt sich stark auf die Stimmung des Buches. Die Spannung entsteht dabei weniger durch actionreiche Szenen, sondern vor allem durch das unterschwellige Gefühl, dass jemand die Kontrolle hat und Viola ihr Stück für Stück entzogen wird.
Viola als Protagonistin mochte ich insgesamt gern. Ihre Situation ist extrem, aber nachvollziehbar geschildert. Der Verlust ihres Beines, die Abhängigkeit von anderen und das Gefühl, im eigenen Zuhause nicht mehr frei zu sein, sind sehr präsent. Besonders gut fand ich, wie ihr Misstrauen langsam wächst. Nicht plötzlich, sondern schleichend.
Ihr Mann Adam wirkt von Anfang an unangenehm, ohne direkt eindeutig böse zu sein. Genau dieses Ungleichgewicht zwischen Fürsorge und Bevormundung macht die Dynamik zwischen den beiden so unangenehm und spannend. Auch die Pflegerin bleibt lange schwer greifbar und trägt viel zu dieser beklemmenden Atmosphäre bei.
Die Idee mit den Trackern und der technischen Überwachung fand ich spannend und gut in die Handlung eingebettet. Es wirkt nicht futuristisch, sondern nah an der Realität und genau das macht vieles daran so beunruhigend. Gleichzeitig hatte das Buch für mich im Mittelteil ein paar Längen. Manche Gedankengänge wiederholen sich und einige Schlüsse, die Viola zieht oder eben nicht zieht, haben sich für mich etwas gezogen. Als Leser ist man stellenweise schon weiter, während die Geschichte noch ein wenig auf der Stelle tritt.
Das Ende bringt dann noch einmal Bewegung hinein und fügt vieles sinnvoll zusammen. Der große Aha-Moment blieb für mich zwar aus und manches war vorhersehbar, trotzdem hat sich das Gesamtbild stimmig angefühlt. Ich hätte mir an ein oder zwei Stellen etwas mehr Zeit für die Auflösung und die emotionale Nachwirkung gewünscht, gerade im Hinblick auf Violas persönliche Entwicklung.
Fazit:
"Das Signal" ist ein spannender, atmosphärischer Psychothriller, der vor allem durch seine Idee, die dichte Stimmung und die Perspektive der Protagonistin lebt. Nicht alles ist perfekt ausbalanciert und im Mittelteil gibt es kleinere Längen, aber insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten und bis zum Ende bei der Stange gehalten.
4/5 Sterne