Oberflächliche Charaktere
„Das Signal“ von Ursula Poznanski ist ohne Frage besser als „Die Burg“, die ziemliche Längen hatte. In dem neuen Thriller um die erfolgreiche Mittdreißigerin Viola, die ein Bein verliert, als der alte Weinkeller ihres Mannes über ihr zusammenstürzt, häufen sich jedoch schablonenhafte, oberflächliche Charaktere. Schon am Krankenbett ist Viola klar, dass ihr Mann, ein smarter Marktforscher, der regelmäßig in Talkshows zu Gast ist und viele weibliche Fans hat, sie bald verlassen wird, da sie als Einbeinige seinen Sinn für Ästhetik beleidigt. Viola bleibt ans Haus gefesselt, installiert diverse Tracker, um ihren Mann auszuspionieren, der ein Doppelleben führt, muss sich gegen eine übergriffige Pflegerin durchsetzen und kommt erstaunlich gut mit dem Verlust ihres Beines zurecht, das ihr am Oberschenkel amputiert werden musste. Ohne Frage kann Poznanski sehr gut und flüssig schreiben, ich habe aber den Eindruck, auf lange Sicht geht ihr die Puste aus – verständlich nach so vielen Veröffentlichungen. Zwei Bücher sind es wohl pro Jahr, die sie herausbringt. Auf Dauer ist auch dieser Plot um die ebenfalls sehr oberflächliche Viola ziemlich anstrengend. Die ständigen Nachstellungen Violas, die sie gegenüber diversen Personen an den Tag legt, sind letztendlich ermüdend. Auch hier schafft Poznanski Abhilfe – aber nur vorübergehend. Um die Spannung zu steigern, taucht plötzlich ein Unbekannter auf, der Viola bedroht. Ihre Vergangenheit hat sie eingeholt. Nach verschiedenen Twists wendet sich für Viola alles zum Guten und sie lebt einbeinig, aber vermutlich glücklich bis ans Ende ihrer Tage.