Tolles Buch mit kleineren Kritikpunkten

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lesefreund39 Avatar

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Ursula Poznanski legt einen soliden, gut lesbaren Thriller vor, der vor allem über psychologische Spannung funktioniert. Von Anfang an liegt ein Gefühl von Misstrauen in der Luft (teils aus dem Nichts), die Handlung entfaltet sich Schritt für Schritt, was für meinen Geschmack vor allem am Anfang leider viel zu langsam geht, hier fehlt etwas Spannung und Zug. Immer wieder gibt es einige gelungene Wendungen, sodass das Ende zwar überraschend aber durchaus stimmig wirkt und die Geschichte zufriedenstellend abrundet.

Die Technik-Komponente wurde im Vorfeld sehr groß beworben, erweist sich im Buch aber als eher klassisch: GPS-Tracker sind wichtig für die Handlung, fühlen sich jedoch nicht besonders neu oder überraschend an. Wer einen stark technikgetriebenen Plot erwartet, könnte hier etwas enttäuscht sein.

Die Figuren brauchen Zeit, um Nähe aufzubauen. Viele wirken anfangs distanziert, besonders die Protagonistin Vio und ihr Ehemann. Echte Sympathie weckt vor allem der Nachbarsjunge Benno, der wirklich sehr treffend beschrieben ist und Bio mehr hilft, als man anfangs vermutet.

Spannung entsteht vor allem aus der Frage, ob Vios Wahrnehmung stimmt oder sie übertreibt. Manche Enthüllungen überraschen, andere lassen sich vorhersehen, dennoch bleibt die Spannung bis zum Schluss erhalten.

Fazit: Ein unterhaltsamer Thriller mit starker psychologischer Note, solider Dramaturgie und einem passenden Schluss. Technik eher Beiwerk als Highlight, Figuren anfangs schwer zugänglich, insgesamt aber klare Leseempfehlung für Fans psychologischer Spannung. Bewertung: 4 von 5 Sternen.