Warum mich „Das Signal“ diesmal nicht ganz erreichen konnte

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
lizzy305 Avatar

Von

Ich habe mich etwas schwergetan, eine Rezension zu Das Signal zu verfassen. Seit dem ersten Erebos-Band verschlinge ich die Bücher von Ursula Poznanski regelrecht, und selbst wenn mich einzelne Werke nicht vollständig überzeugt haben, war ich am Ende doch meist zufrieden. Dieses Mal jedoch blieb leider vor allem Enttäuschung zurück.
Vorweg: Man bekommt auch hier wieder eine gut recherchierte, detailreiche und grundsätzlich sehr durchdachte Geschichte. Besonders der Umgang mit der Amputation der Protagonistin, die therapeutischen Ansätze und die psychischen wie körperlichen Herausforderungen sind interessant, sensibel ausgearbeitet und wirken fundiert. Allerdings verliert dieser Aspekt auf Dauer etwas an Spannung und wird stellenweise eintönig. Auch der technische Teil rund um die Tracker ist ein spannendes erzählerisches Mittel und bietet großes Potenzial – vor allem als Werkzeug, um Informationen zu sammeln. Für mich blieb jedoch der erzählerische Aufbau zu dünn, insbesondere die Motivation der Protagonistin, ihren Ehemann auszuspionieren.
Genau hier liegt auch mein größter Kritikpunkt: Nach rund sechs Jahren Ehe und einer noch längeren Beziehung misstraut sie ihrem Mann von einem Moment auf den anderen. Ihre Angst, er könne sie nach dem Verlust ihres Beins nicht mehr lieben oder verlassen, wirkt für mich konstruiert und nicht nachvollziehbar. Die Protagonistin wird ansonsten als starke, emanzipierte Frau gezeichnet, weshalb diese plötzliche Unsicherheit und Selbstdefinition über den eigenen Körper für mich nicht stimmig war. Dieses Frauenbild – die Angst, nicht mehr „genug“ zu sein, wenn man nicht perfekt ist – erinnerte mich stark an die Darstellungen in Freida-McFadden-Romanen, die mich dort ebenfalls häufig stören.
Ein weiterer Punkt, der meinen Lesefluss beeinträchtigt hat, ist die Erzählweise: Wenn ein Buch konsequent aus der Perspektive einer einzelnen Figur geschrieben ist und über mehr als 200 Seiten hinweg klar wird, dass diese ein zentrales Geheimnis hat, das dem Leser vorenthalten wird, fühlt sich das für mich nicht ganz ehrlich an. Mir fehlte hier die erzählerische Balance. Große Überraschungen blieben insgesamt aus, vieles war vorhersehbar, und der Spannungsaufbau konnte mich nicht wirklich fesseln.
Unterm Strich ist Das Signal für mich das schwächste Buch von Ursula Poznanski seit vielen Jahren. Das liegt allerdings weniger an objektiver Qualität als vielmehr daran, dass ich von ihr deutlich stärkere, packendere Geschichten gewohnt bin. Dennoch bleibt der Roman solide und gut geschrieben. Wer sich besonders für die behandelten Themen interessiert und bereit ist, über einige Schwächen hinwegzusehen, kann dem Buch durchaus etwas abgewinnen.