Gutes Buch

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jessica41 Avatar

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Ein Abenteuer, das man nicht nur liest, sondern erlebt

„Das verfluchte Gold von Hell Gate“ von Davide Morosinotto ist ein außergewöhnlich gestaltetes Jugendbuch, das mich vor allem durch seine Mischung aus rasantem Abenteuer, historischer Atmosphäre und der ganz besonderen Aufmachung überrascht hat. Die offizielle Altersempfehlung liegt bei etwa 12 Jahren, persönlich würde ich das Buch allerdings eher ab 15 oder 16 Jahren empfehlen. Dafür sind die behandelten Themen teilweise ziemlich komplex und stellenweise auch ernst. Gleichzeitig funktioniert die Geschichte meiner Meinung nach genauso gut für Erwachsene – vielleicht sogar besonders für diejenigen, die außergewöhnlich gestaltete Bücher und historische Abenteuer mögen.

Was mir sofort ins Auge gefallen ist, ist natürlich das besondere Cover. Es erinnert an eine alte Streichholzschachtel und passt dadurch wunderbar zum Abenteuercharakter der Geschichte. Noch viel mehr begeistert hat mich allerdings das, was sich zwischen den Buchdeckeln befindet. Dieses Buch besteht nicht einfach nur aus fortlaufendem Text. Immer wieder finden sich Illustrationen, Zeitungsartikel, Dokumente, Ermittlungsunterlagen, Karten und andere Elemente, die die Geschichte ergänzen.

Ich hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, nicht einfach nur eine Geschichte zu verfolgen, sondern selbst auf Spurensuche zu gehen. Man blättert weiter und weiß nie ganz, was als Nächstes auftaucht. Dadurch wird die Geschichte unglaublich lebendig und die Spannung noch einmal zusätzlich verstärkt. Ich hatte tatsächlich richtig viel Spaß dabei, das Buch einfach durchzublättern und die vielen Details zu entdecken. Die Gestaltung ist für mich nicht bloß hübsches Beiwerk, sondern ein wichtiger Bestandteil des gesamten Leseerlebnisses.

Ohne zu viel von der Handlung zu verraten: Im Mittelpunkt steht eine Gruppe Jugendlicher, die in ein geheimnisvolles Abenteuer hineingezogen wird. Aus ersten Hinweisen entwickelt sich eine Schatzsuche, bei der immer neue Rätsel, Spuren und Geheimnisse auftauchen. Das Setting im New York der 1920er-Jahre fand ich dabei besonders gelungen. Die Stadt, die gesellschaftlichen Unterschiede, das Leben der Jugendlichen und die historischen Ereignisse bilden einen sehr interessanten Hintergrund für die Geschichte.

Morosinotto schafft es, dieses historische Umfeld nicht einfach nur als Kulisse zu benutzen. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie unterschiedlich das Leben der Menschen damals sein konnte und mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatten.

Dabei geht es eben nicht ausschließlich um Abenteuer und Schatzsuche. Themen wie Rassismus, soziale Ungleichheit und Sklaverei spielen ebenfalls eine Rolle. Gerade deshalb würde ich die Altersangabe etwas nach oben korrigieren. Für mich ist das kein Buch, das ich uneingeschränkt jedem zwölfjährigen Kind in die Hand geben würde.

Besonders gut gefallen hat mir die Gruppe der Protagonist:innen. Es handelt sich um fünf Jugendliche – drei Jungen und zwei Mädchen –, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Sie haben verschiedene Charaktere, unterschiedliche Lebenssituationen und sehr unterschiedliche familiäre Hintergründe. Sie denken nicht immer gleich, reagieren unterschiedlich auf Gefahren und bringen jeweils ihre eigenen Ängste, Wünsche und Vorstellungen mit. Genau daraus entsteht eine tolle Gruppendynamik. Ich mag es sehr, wenn in einer Abenteuergeschichte nicht plötzlich alle Figuren perfekt zusammenarbeiten und immer dieselbe Meinung haben. Hier gibt es Reibung, unterschiedliche Perspektiven und Situationen, in denen die Jugendlichen erst lernen müssen, miteinander klarzukommen.
Gleichzeitig merkt man, wie wichtig ihnen die Gemeinschaft wird. Und gerade weil sie so verschieden sind, ergänzen sie sich auf ihrer Reise immer wieder.

Davide Morosinotto schreibt unglaublich dynamisch. Sein Stil ist bildhaft, zugänglich und vor allem sehr schnell. Teilweise vielleicht sogar zu schnell für meinen Geschmack.
Ich hatte unglaublich viel Spaß beim Lesen, aber manchmal hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichte etwas stärker durchatmet. Es gibt so viele Ereignisse, Hinweise und neue Entwicklungen, dass kaum Zeit bleibt, einmal länger bei einer Situation oder einer Figur zu verweilen. Ein paar ruhigere Passagen zwischen den actionreichen Momenten hätten mir deshalb gut gefallen. Das hätte für mich die Spannung nicht reduziert, sondern wahrscheinlich sogar noch verstärkt, weil die großen Momente dadurch etwas mehr Raum bekommen hätten. Trotzdem hat mich der Schreibstil insgesamt sehr überzeugt. Das Buch liest sich flüssig und besitzt einen enormen Sog. Gerade bei einer Schatzsuche ist dieses hohe Tempo natürlich auch ein großer Vorteil.

„Das verfluchte Gold von Hell Gate“ ist für mich ein Jugendbuch, das aus der Masse heraussticht. Nicht nur wegen seiner Geschichte, sondern vor allem wegen der Art, wie diese Geschichte erzählt wird. Die Illustrationen, Dokumente, Zeitungsartikel und Ermittlungsunterlagen machen aus dem Buch etwas, das man nicht einfach nur liest. Es fühlt sich vielmehr an wie ein Abenteuer, in dem man selbst herumstöbert und nach Hinweisen sucht.

Die Schatzsuche hat mir großen Spaß gemacht, das historische Setting hat mir gefallen und die unterschiedlichen Protagonist:innen sorgen für eine interessante Gruppendynamik. Gleichzeitig behandelt die Geschichte auch ernstere Themen, weshalb ich die offizielle Empfehlung ab 12 Jahren persönlich etwas niedrig angesetzt finde. Ich würde das Buch eher ab 15 oder 16 Jahren empfehlen. Das bedeutet aber keineswegs, dass es nur für Jugendliche interessant ist. Im Gegenteil: Auch Erwachsene können mit diesem Buch sehr viel Freude haben. Gerade die außergewöhnliche Gestaltung und die Verbindung aus historischem Abenteuer, Rätseln und verschiedenen Erzählmaterialien machen es für mich zu einem besonderen Leseerlebnis.