Schatzsuche im New York der 20er

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
avid_reader Avatar

Von

Was ein gelungenes Jugendbuch mit historischer Tiefe, spannender Schatzsuche und vielschichtigen Charakteren!
Wir befinden uns in New York, Ende der 20er Jahre. Das ist für ein Jugendbuch schon mal eher ungewöhnlich. Ich hatte allerdings zu keiner Zeit das Gefühl, hier einen historischen Roman zu lesen oder mit historischen Fakten überladen zu werden. Stattdessen werden sie geschickt eingebaut, so dass sich ein tolles Gesamtbild des italienischen Viertels der Großstadt ergibt, in der unsere Protagonisten aufwachsen. Deren kulturelle Hintergründe werden ebenfalls geschickt ausgeschmückt, so dass man nach wenigen Seiten schon das Gefühl hat, alle Kinder gut zu kennen und nur noch mehr von ihnen erfahren will. Gemeinsam versuchen sie, einen Schatz zu finden, nachdem sie Hinweise darauf bei einem Toten in der Nähe ihres Viertels gefunden haben. Doch nicht nur sie sind dem Gold auf der Spur: Auch die Mano Nera (die Mafia des Viertels) hat ein Auge darauf geworfen.
Ergänzt wird die Schatzsuche durch ein Tagebuch aus der Zeit des Unabhängigkeitskriegs.
Die Handlung war von Anfang an spannend, lediglich das Ende war mir ein bisschen zu sehr "happy ending", was nicht ganz zu den zuvor sehr realistisch beschriebenen Lebenssituationen aller Beteiligten gepasst hat.

Besonders gut gestaltet fand ich die "Foto + Dokument-Seiten" zu Beginn jedes Kapitels. Dort finden sich Einreisepapiere der erwähnten Charaktere, Fotos (die wohl historisch sind, hinten im Buch ist ein langes Quellenverzeichnis aufgelistet), Zeitungsartikel und passende Gegenstände. So wird die Handlung nochmal lebendiger und kann historisch mehr eingeordnet werden.

Mit seinen knapp 500 Seiten ist das Buch im wahrsten Sinne des Wortes erst mal keine "leichte" Lektüre. Auch inhaltlich scheut der Autor nicht davor zurück, auch schwierigere Themen wie Rassismus, mentale Krankheiten, Armut, Sklaverei und Erpressungen unterzubringen ohne diese zu beschönigen, aber auch ohne es übermäßig gewaltsam zu machen. Es ist sicherlich keine leichte Lektüre, aber gerade für interessierte junge Leser/innen sicherlich dann auch gut einzuordnen.