Spannendes Jugendbuch mit historischem Setting

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„10 Millionen Gedanken, 10 Millionen Hoffnungen.“

Mit «Das verfluchte Gold von Hell Gate» lädt der italienische Autor Davide Morosinotto zu einer abenteuerlichen Zeitreise nach New York ins Jahr 1927 ein. Es ist April in East Harlem, dem Italienviertel, und ganz in der Nähe des Central Parks wohnen Mario, Tommy, Lucy und Amy. Zu der Gruppe gehört auch der obdachlose Waisenjunge Rico. Der Name „Kakerlaken-Gang“, den ihnen der Schläger Toni Talgig wenig schmeichelhaft verpasst hat, ist bezeichnend für die widerstandsfähigen Freunde, die sich nicht unterkriegen lassen.

„Für die Kakerlaken-Gang begann die Schatzsuche mit dem Toten unter der Eisenbahnbrücke.“

Mit diesem neugierig machenden Satz beginnt der Roman. Bei dem Toten finden sie eine geheimnisvolle Streichholzschachtel mit einer Zeichnung und einen Schlüssel darin (auf dem Cover zu sehen). Den Hinweisen folgend, erfahren sie von einem 1780 gesunkenen Schiff mit einer Ladung voll Gold. Eine gefährliche Schatzsuche beginnt, denn höchst undurchsichtige Typen sind auch auf der Jagd nach dem Schatz.

„Dennoch spürte er, dass es für sie alle eine große Chance war. Um nicht länger Kakerlaken zu sein. Um aus einem Alltag zu entkommen, der mit jedem Tag härter zu werden schien.“

Jedes Kapitel umfasst nur 2 bis 6 Seiten, was zu einem angenehmen Lesefluss beiträgt. Obwohl der Stil Atmosphäre sparsam dosiert und vor allem auf packende Handlung sowie authentische Charaktertiefe setzt, kann man sehr gut in das historische Setting eintauchen und nebenbei viel mitnehmen. Glaubwürdig werden die Lebensrealitäten der Menschen dargestellt, wie sie im Jahr 1927 ausgesehen haben könnten. Ein Stück lebendige Geschichte in einer Zeit der Prohibition, der Mano Nera, großer Armut und auch des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs (1765–1783) – letzterer wird durch Rückblenden in den Aufzeichnungen des Sklaven Bill, der zum Lotsen wurde, behandelt.
Dementsprechend werden auch schwere Themen angesprochen, jedoch so, dass es für die Zielgruppe (Altersempfehlung ab 12 Jahren) noch angemessen ist. Der Autor Davide Morosinotto benennt sie nicht konkret, sondern umschreibt sie – etwa durch Marios Mutter, die Mario als „Wintermutter“ bezeichnet, was auf Depressionen hindeuten könnte, oder Amy, die als schüchterner „Drinnen-Typ“ beschrieben wird. Die Entwicklung der fünf Protagonisten gelingt überzeugend, und das Ende ist großartig. Die Werte, die vermittelt werden, sind herzerwärmend und gehen weit über Freundschaft und Mut hinaus.

Außerdem hat der Roman auch optisch etwas zu bieten. Die hochwerte Ausstattung enthält in der ersten Auflage eine Banderole im Stil einer Streichholzschachtel. Außerdem verzierte Vignetten und eine schwarz-weiß illustrierte Seiten bei jedem der 60 Kapitel, die das historische Setting und die Figuren mit Dokumenten und Fotografien lebendig werden lassen.

Ein abenteuerliches Jugendbuch mit einem faszinierendem Setting, Tiefe, Spannung, liebenswerten Charakteren und schicker Optik. Eine Geschichte, die ich verschlungen habe und nicht so schnell vergessen werden.