Zwischen Erinnerung, Sehnsucht und einem Ort, der alles speichert

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apfelmaus Avatar

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Schon die ersten Kapitel von „Das White Octopus Hotel“ entfalten eine ganz eigene, leise Sogwirkung. Das abgelegene Hotel in den Schweizer Alpen wirkt dabei weniger wie ein bloßer Schauplatz, sondern fast wie ein lebendiger Organismus – ein Ort, der Erinnerungen bewahrt, Vergangenes festhält und Schicksale miteinander verwebt.

Besonders reizvoll finde ich das Spiel mit Zeit und Erinnerung: Nichts wirkt eindeutig, vieles schwingt zwischen dem, was war, und dem, was hätte sein können. Die Atmosphäre ist geheimnisvoll, leicht melancholisch und gleichzeitig von einer feinen Wärme durchzogen. Man liest aufmerksam, fast vorsichtig, weil zwischen den Zeilen so viel mitschwingt.

Statt lauter Dramatik setzt der Roman auf leise Emotionen – Verlust, Sehnsucht, Liebe und die Frage, ob es im Leben zweite Chancen gibt. Das Belle-Époque-Setting verstärkt dieses Gefühl noch: elegant, entrückt und ein wenig zeitlos.

Nach dem Einstieg habe ich das Gefühl, dass sich hier eine Geschichte entfaltet, die man nicht einfach konsumiert, sondern erlebt – langsam, nachhallend und mit Raum für eigene Gedanken. Genau das macht für mich den Reiz dieser Lektüre aus.