Anstrengend, widersprüchlich und zu verzettelt

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biscoteria Avatar

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Am 27.08.1992 war der 4. Geburtstag der Eve Shaw. Ein Tag welcher der kleinen Eve Freude bringen sollte, welcher sie jedoch Ihr ganzes Leben lang negativ verfolgt und ihr unentwegt Schuldgefühle vermittelt. An diesem Tag starb ihre nicht mal zweijährige Schwester, weil diese durch das offene Gartentor auf die Straße gelaufen ist.

Die heute 27-jährige Kunstsachverständige hat in der Vergangenheit zwischenzeitlich ihr Studium abgebrochen, sich therapieren lassen und für sich die Liebe zu Oktopussen gefunden. Sie zeichnet diese Tiere und sie beginnen auf ihren Papieren zu leben. So wie ihr Tattoo, welches sich über ihren Körper bewegt.

Das Verhältnis zu Ihrer Mutter ist sehr schwierig, da die niemals den Verlust ihrer Schwester überstanden hat.

Eines Tages taucht dann aufs Eve Arbeit ihr Lieblingsmusiker Max. Dieser wäre heute über 100 Jahre alt und kann es nicht sein. Aber warum sieht er aus wie auf den Fotos von damals? Warum ist er so erschrocken sie zu sehen? Er gibt ihr einen Oktopus aus Holz und erzählt ihr von dem mysteriösen Hotel. Eve recherchiert und erfährt von den drei Zimmerschlüsseln der Zimmer 7, 17 und 27 und das man mit diesen in dem heutigen verlassenen Hotel zurück in dessen Vergangenheit reisen kann. Dort will sie ein Briefpapier des Hotels erhaschen, mit dem Sie einen Brief schreiben kann und sich selbst in die Vergangenheit schickt, um dann das Unglück zu verhindern.

Wir erleben recht kurz die heutigen 2016 und dann hauptsächlich die Vergangenheit von 1918 und 1934. In beiden Fällen findet die Geschichte im Hotel statt, aber auch in Teilen an der Front, wo wir das Geschehen durch Max erleben.

Der magische Teil im Hotel, mit besonderen Spiegeln, lauschenden „Menschen?“, Telefonen mit Toten am anderen Enden, Geisterhafte Begegnungen usw. war echt interessant zu lesen. Wir lesen von Menschen, welche uns sehr ähnlich sind, aber wir nicht zuordnen können. Wir versuchen den Gründer des Hotels zu erwischen, der uns immer wieder entwischt. Wir reisen mit Hilfe der Türen und der speziellen Zimmerschlüsseln durch die Zeit.

Bis hierhin hört sich das richtig gut an. Und bis etwa 30% im Buch, kam ich auch noch gut mit. Und dann wurde es wild. Durch die Wechsel zwischen den Zeiten und das man erfährt, dass in 1918 Dinge geschehen, welche noch gar nicht passieren können und ebenso in 1934 Erinnerungen existieren, die nicht möglich sind, machte es mir schwer den Faden nicht zu verlieren.

Ich konnte mir mit der Zeit zusammenreimen, was es mit der ein oder anderen Person im Hotel auf sich hat, und viele Vermutungen wurden auch bestätigt. Aber leider verrennt sich die Autorin hier in den nicht immer stimmigen Zusammenhängen einer Zeitreisegeschichte. Es kann in der Vergangenheit nun mal etwas nicht stattfinden, wenn die Zukunft dafür erstmal geschaffen wurden sein muss. Und sehr störte mich die folgende Aussage: „Wenn man mit dem Schlüssel in eine andere Zeit zurückgeht, verliert man sämtliche Erinnerungen“ und genau das passierte im gesamten Buch nicht und ermöglicht somit auch nicht das Ende.

Es ist eine interessante Geschichte, mit viel Selbstdrama, weil Eve ständig depressiv und niedergeschlagen wird. Sich selbst kein Glück zuspricht und das Gefühl hat, sie dürfe niemals glücklich werden, weil sie am Tod ihrer Schwester schuld ist. Das aber die Aufsicht in der Verantwortung der Eltern liegt, wurde nie mit einem Wort gesagt und man lies sie somit im Glauben, der sich so heftig in sie reingefressen hat, dass sie ihr eigenes Leben für ihre Schwester hergeben würde. Mir ist das Buch daher etwas zu melodramatisch gewesen, mit einer zu sehr fehlerhaften Zeitreiseidee, welche zu überladen war.