Die Tentakel der Zeit

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verynia Avatar

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Bei "Das White Octopus Hotel" vom Alexandra Bell handelt es sich um einen ganz besonderen Zeitreise-Roman. So etwas habe ich noch nie gelesen.

Eve Shaw ist eine junge Kunstgutachterin. Ihr Leben ist von einer düsteren Vorgeschichte belastet, die sich jährlich an ihrem Geburtstag ihren Weg in den Vordergrund sucht. Dabei sieht Eve Dinge, wie ein Kaninchen und lila Ballons, die sonst niemand wahrnehmen kann.
Als ein alter Mann sie an ihrem Arbeitsplatz aufsucht, ihr eine kleine Oktopusfigur schenkt und sie auffordert, ins Hotel zurück zu kehren, nimmt ihr Leben eine starke Wendung. Eve erfährt vom White Octopus Hotel und lernt über dessen magische Artefakte. Immer wieder stößt sie auf Hinweise, die sie ins Hotel locken, sodass sie sich endlich darauf einlässt.
Sie findet das Hotel verfallen vor, da es schon seit Jahrzehnten geschlossen ist. Doch was genau der Anlass dafür war, ist nicht bekannt. Vor Ort passieren ungewöhnliche Dinge und durch einen besonderen Zimmerschlüssel passiert es dann: Eve reist im Hotel in die Vergangenheit und was sie dort alles erlebt, ist einfach unglaublich und so eng mit ihrem eigenen Leben verstrickt - kann das noch Zufall sein?

Die Zeit vergeht anders im White Octopus Hotel. Was ist Zeit überhaupt? Dieser Roman behandelt das stetige Thema der Zeitreisen, allerdings in einem völlig neuen Licht. Ich gebe zu, nicht immer war ich mir sicher, wo die Geschichte hinführt oder wo wir uns gerade befinden. Das ist jedoch absolut kein Problem - Hauptsache, man lässt sich auf die Geschichte ein und hinterfragt nicht ständig alles. Ich kann die Leserschaft beruhigen: es fügt sich alles irgendwann zu einem zufriedenstellenden Schlussbild zusammen.
Der Schreibstil macht die Geschichte sehr angenehm. Es gibt keine umständlichen Formulierungen, hier und da ein paar Rechtschreibfehler, aber das ist halb so wild. Mein Lesefluss wurde kaum unterbrochen und ich wollte immer wissen, was als nächstes passieren wird. Auch, wenn häufig auf den Zeitlinien hin und her gesprungen wird, hat mich das nie zu sehr verwirrt. Einige Stellen waren ziemlich spannend (bei mir war es besonders dann, wenn der Lauscher vorkam, über welchen ich so gerne noch mehr erfahren wollen würde), sodass ich ein äußerst kurzweiliges Leseerlebnis hatte.

Bei diesem hübschen Cover kann man doch nur zugreifen wollen. Der Inhalt überzeugt ebenfalls, weshalb ich eine klare Leseempfehlung ausspreche!