Eine ganz besondere Lektüre

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
chrischid Avatar

Von

Seit Jahrzehnten ist Eve unglücklich. Nichts wünscht sie sich sehnlicher als die Zeit zurückdrehen zu können, um nur ein winzig kleines Detail zu korrigieren, das die Katastrophe verhindern würde. Durch eine schicksalhafte Begegnung gerät das White Octopus Hotel in Eves Fokus – und lässt sie nicht mehr los. Erzählungen von Zeitreisen und magischen Gegenständen häufen sich, so dass Eve sich kurzerhand in die Schweiz aufmacht. Was hat sie schon zu verlieren …

Was ist eigentlich Zeit? Eine nicht zu unterschätzende und gleichsam elementare Frage, die während der Lektüre mitschwingt. Wer sich voll und ganz darauf einlässt, mit Eve dieses Abenteuer zu bestreiten, der wird einigen nahezu unerklärlichen Ereignissen beiwohnen. Wer aber versucht eine allzu rationale Sicht zu bewahren, wird schnell an Grenzen stoßen.

Dieses Buch lebt von Gefühlen, Geschichten, Erinnerungen. Es hat seinen ganz eigenen Klang, der vor allem zwischen den Zeilen wahrzunehmen ist. Verspürt man als Leser zunächst schlichtweg Neugierde, verwandelt sich diese schon bald in Unglauben, und dann wiederum in pure Faszination und Begeisterung. Es gibt noch zahlreiche Facetten, die zu erwähnen sich lohnen würde, und dennoch können Worte kaum den tatsächlichen Reiz des Werks vermitteln.

Alexandra Bell verknüpft die unterschiedlichen Zeitebenen so gekonnt miteinander, dass sie ein Netz aus feinsten Fäden ergeben. Und doch scheinen sie immer wieder an einem einzigen Punkt zusammenzulaufen. Das ist einerseits irritierend, andererseits aber auch wahnsinnig spannend, denn das zeigt nur, dass alles möglich ist. Inwiefern manche Passagen ein wenig zu ausschweifend daherkommen, darüber ließe sich sicher diskutieren. In der Gesamtbetrachtung macht dies jedoch keinen nennenswerten Unterschied.

„Das White Octopus Hotel“ ist Lesen mit allen Sinnen, weit über das Bekannte hinaus. Ein paar unterhaltsame Stunden auf der Couch sind garantiert. Zusätzlich werden Fantasie und Kreativität angesprochen wie selten. Am Ende gibt es sogar noch eine handfeste Überraschung, die sich zwar unterschwellig schon früh andeutet, aber trotzdem mit immenser Wucht einschlägt.