Mystisches Hotel

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belli4charlotte Avatar

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Ich gebe dem Roman vier Sterne, weil er mich trotz kleiner Schwächen berührt und beschäftigt hat. Das White Octopus Hotel hat eine besondere, fast schwebende Atmosphäre, die mich sofort neugierig gemacht hat: dieses verlassene Grandhotel, die Mischung aus Magie, Erinnerung und Zeit, die sich langsam entfaltet, und die vielen kleinen Details, die wie Puzzleteile ineinandergreifen. Ich mochte, wie die Autorin das Setting beschreibt – elegant, verfallen, geheimnisvoll –, sodass ich das Gefühl hatte, selbst durch die alten Flure zu gehen.

Eve als Figur hat mich bewegt, gerade weil sie so verletzlich und gleichzeitig so verschlossen ist. Ihre traumatische Vergangenheit, die seltsamen magischen Erscheinungen und die Begegnung mit Max geben der Geschichte eine emotionale Tiefe, die ich nicht erwartet hatte. Manche Szenen, besonders die Rückblicke in den Ersten Weltkrieg, waren schwer auszuhalten und haben mich überrascht – im positiven wie im herausfordernden Sinn.

Gleichzeitig bin ich nicht immer ganz in den Erzählfluss gekommen. Die Zeitsprünge und die verschachtelte Struktur haben mich manchmal eher verwirrt als gefesselt, und der Schreibstil hat mich nicht durchgehend abgeholt. Trotzdem blieb die Grundstimmung so eigen und anziehend, dass ich unbedingt wissen wollte, wie alles zusammenhängt.

Am Ende überwiegt für mich das Gefühl, etwas Ungewöhnliches und atmosphärisch Starkes gelesen zu haben – ein Roman, der nicht perfekt ist, aber lange nachhallt. 4 von 5 Sternen.