Luft nach oben

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evaerl Avatar

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Es wurde besser, aber ich musste erst einmal durchhalten

Death of a Witch ist für mich eines dieser Bücher, bei denen meine Bewertung während des Lesens ziemlich geschwankt hat. Nach dem ersten Drittel hätte ich wahrscheinlich noch weniger als 3 Sterne vergeben, gegen Ende war ich dann aber doch deutlich versöhnlicher. Denn schlecht fand ich die Geschichte definitiv nicht. Ich glaube eher, dass ich mit anderen Erwartungen gestartet bin und deshalb gerade am Anfang etwas enttäuscht war.

Handlung, Spannung und Worldbuilding

Eigentlich bringt die Geschichte alles mit, was ich gerne lese. Hexen, zwei verfeindete Familien, alte Geheimnisse, gefährliche Prüfungen und natürlich zwei Menschen, zwischen denen aufgrund ihrer Familien eigentlich gar nichts entstehen dürfte. Trotzdem wollte der Funke anfangs einfach nicht überspringen. Obwohl sich das Buch dank des angenehmen Schreibstils wirklich schnell lesen lässt, passierte mir im ersten Drittel einfach zu wenig. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass es endlich richtig losgeht.

Und dann kamen zum Glück die Prüfungen.

Ab diesem Moment hatte ich deutlich mehr Spaß. Plötzlich gibt es Gefahr, Konkurrenz und Situationen, bei denen ich tatsächlich wissen wollte, wie Iris und August da wieder herauskommen. Auch die verschiedenen Herausforderungen fand ich abwechslungsreich, weil nicht immer wieder dasselbe Prinzip verwendet wird. Gleichzeitig werden die Geheimnisse der Familien immer wichtiger und man beginnt zu hinterfragen, was in der Vergangenheit eigentlich wirklich passiert ist. Genau diese Mischung hätte ich gerne schon etwas früher gehabt.

Das Worldbuilding mochte ich ebenfalls. Gerade die Idee der verschiedenen Hexenfamilien und ihrer Magie fand ich spannend. Hier wäre für mich sogar noch Luft nach oben gewesen, denn ich hätte gerne noch mehr über die einzelnen Familien, ihre Fähigkeiten und die magische Gesellschaft erfahren.

Iris, August und meine kleine Hassliebe mit ihrer Beziehung

Mit Iris hatte ich es zwischendurch wirklich nicht leicht. Ich finde sie eigentlich sympathisch. Sie ist liebevoll, loyal und möchte das Richtige tun. Aber gerade während der Prüfungen wollte ich sie manchmal einfach nehmen und ihr sagen, dass sie sich bitte selbst ein bisschen mehr zutrauen soll.

Eine Protagonistin muss für mich überhaupt nicht die mächtigste Person der Geschichte sein. Ganz im Gegenteil. Ich finde es sogar interessant, wenn jemand körperlich oder magisch unterlegen ist. Dann möchte ich aber sehen, dass diese Figur andere Wege findet. Genau das hat mir bei Iris manchmal gefehlt. Sie war mir in einigen Situationen zu abhängig von anderen und ich hätte mir einfach etwas mehr Kampfgeist und Eigenständigkeit gewünscht.

Zum Glück entwickelt sie sich weiter und gerade gegen Ende konnte ich ihre Entscheidungen wieder wesentlich besser nachvollziehen. Sie beginnt stärker zu hinterfragen, was sie eigentlich selbst möchte und welche Überzeugungen sie nur übernommen hat.

Bei August war es fast umgekehrt. Den fand ich zunächst etwas suspekt, weil ich nicht verstanden habe, warum er bestimmte Dinge einfach hinnimmt. Im Verlauf mochte ich ihn aber immer mehr. Besonders seine Dynamik mit Iris wurde für mich zunehmend schöner.

Und ENDLICH habe ich irgendwann auch die Gefühle zwischen ihnen gespürt.

Das hatte mir nämlich am Anfang komplett gefehlt. Ich wusste, dass zwischen ihnen einmal etwas war. Ich konnte auch erkennen, dass diese Gefühle nicht vollkommen verschwunden sind. Aber dieses Knistern kam bei mir zunächst einfach nicht an. Dabei bietet ihre Situation eigentlich so viel Potenzial. Zwei Menschen aus verfeindeten Familien mit einer gemeinsamen Vergangenheit, die plötzlich wieder aufeinander angewiesen sind. Gebt mir Blicke. Gebt mir unangenehm lange Stille. Gebt mir dieses Gefühl, dass beide so tun, als wäre alles vorbei, obwohl es offensichtlich nicht stimmt.

Später wurde ihre Beziehung für mich zum Glück wesentlich glaubwürdiger und ich habe wirklich gemerkt, dass sie einander wichtig sind.

Schreibstil, Kritik und Fazit

Der Schreibstil gehört definitiv zu den Stärken des Buches. Ich konnte Death of a Witch sehr flüssig lesen und gerade in der zweiten Hälfte wollte ich dann auch wissen, wie sich alles auflöst. Die Geheimnisse der Vergangenheit fand ich interessant und manche Entwicklungen konnten mich tatsächlich überraschen. Andere Dinge hatte ich dagegen schon relativ früh vermutet. Das hat mich aber nicht besonders gestört, weil die Auflösung für mich trotzdem zur Geschichte gepasst hat.

Rückblickend finde ich es deshalb fast schade, dass der Einstieg so langsam war. Denn nachdem die Handlung endlich Fahrt aufgenommen hatte, hat mir das Buch wirklich Spaß gemacht. Iris hat mich zwar regelmäßig ein bisschen aufgeregt und ich hätte mir mehr Eigenständigkeit von ihr gewünscht, aber ich mochte ihre Entwicklung. Auch August ist mir mit jeder Seite sympathischer geworden und ihre Beziehung konnte mich irgendwann doch noch überzeugen.

Death of a Witch ist für mich deshalb ziemlich genau ein 3 Sterne Buch. Ich fand es nicht schlecht und würde auch nicht sagen, dass ich mich durch die gesamte Geschichte quälen musste. Es gab einige wirklich spannende Szenen, schöne Momente zwischen den Charakteren und eine interessante magische Welt. Gleichzeitig fehlte mir das gewisse Etwas, das mich vollkommen in die Geschichte gezogen hätte. Eine solide Hexenromantasy, die mich vor allem in der zweiten Hälfte überzeugen konnte und aus deren Grundidee man für meinen Geschmack noch etwas mehr hätte herausholen können.
2,5 Sterne