Anders als erwartet

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Ich sag's gleich: Ich bin mit der falschen Erwartung in dieses Buch gegangen. Wunderschönes Cover, Tochter des Todes trifft Sohn der Lust, elitäre Uni - in meinem Kopf war das eine spicy Dark Academia Lovestory. Ist es nicht. Überhaupt nicht. Und genau deshalb musste ich erstmal schlucken.

Jocasta will das, wovon viele träumen, die nie dazugehört haben: einfach nur ankommen. Studieren an der Beecher Universität, die als neutral gilt, weil keine der alten Familien dort ihre Finger im Spiel hat. Ein sicherer Ort. Dachte sie. Nur dass Jo keine normale Studentin ist. Sie ist die Tochter des Todes. Sie lebt davon, dass andere Menschen leiden - von zerplatzten Träumen, von gebrochenen Herzen, von dieser leisen Enttäuschung, die man abends im Bett spürt.

Als ihre beste Freundin auf dem Campus stirbt, bricht dieses mühsam aufgebaute Kartenhaus zusammen. Jo gerät selbst unter Verdacht und muss herausfinden, wer tötet, bevor es die nächsten trifft. Und mitten in dieses Chaos platzt Devon. Nachfahre der Lust. Neu in Beecher. Und er bringt eine Nachricht mit, die Jos Leben endgültig aus der Bahn wirft: Sie ist als nächste Erbin des Todes vorgesehen. Ob sie will oder nicht.

Was ich an Jo liebe? Sie ist keine Heldin, die von Anfang an weiß, wie stark sie ist. Sie hat gelernt, sich zu kontrollieren, weil sie Angst hat vor dem, was sie anrichten könnte. Sie hält Menschen auf Distanz, weil Nähe gefährlich ist, wenn du das bist, was du bist. Diese Zerrissenheit zwischen "Ich will dazugehören" und "Ich darf niemandem zu nahe kommen" hat mich so berührt. Man versteht mit jeder Rückblende mehr, warum sie so geworden ist.

Beecher als Ort ist großartig. Elitär, neblig, geheimnisvoll. Man spürt förmlich, dass unter der perfekten Oberfläche etwas fault. Dazu dieser leise, fast bittere Humor, der immer wieder durchkommt, obwohl ein Mörder umgeht - das ist genau mein Ding.

Und jetzt zur größten Überraschung: Wer hier eine große Liebesgeschichte sucht, wird sie nicht finden. Ich weiß, das Cover flüstert etwas anderes, aber zwischen diesen Seiten geht es nicht um Herzklopfen, sondern um Misstrauen, um Verrat und um die Frage, wem du noch trauen kannst, wenn alle lügen. Es gibt Anziehung, es gibt eine explizite Szene, es wird auch mal derb, aber der Fokus liegt ganz klar auf dem Mordfall, auf Jos Erbe und auf diesem beklemmenden Gefühl, dass niemand sicher ist. Kein Love-Triangle, kein Dauerknistern. Eher ein leises Flackern im Hintergrund.

Ein paar Figuren hätten mehr Tiefe vertragen, da bin ich ehrlich. Richtig hängen geblieben sind bei mir aber Chessa, die sagt, was sie denkt, Carter, mit dem Jo diese komplizierte, eigentlich abgeschlossene Vergangenheit verbindet, und natürlich Devon. Die Dynamik zwischen Jo und ihm ist spannend, weil sie eben nicht kitschig ist.

Was ich mir gewünscht hätte? Mehr Welt. Mehr über die Uralten, über die Gaben der anderen Erben, über die Mythen dahinter. Und ja, in der Mitte zieht es sich manchmal, das Tempo nimmt ab, bevor es zum Ende hin wieder richtig Fahrt aufnimmt. Das Ende selbst fand ich stark - kein böser Cliffhanger, aber so, dass man weiß: Jos Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.

Für mich ist _Death's Daughter_ ein richtig cooler, düsterer Auftakt mit einer Idee, die ich so noch nicht gelesen habe. Morbide, ein wenig bizarr, aber mit ganz viel Herz an der richtigen Stelle. Es ist mehr düsterer Campus-Krimi mit Fantasy als Romance, und wenn man das weiß, funktioniert es großartig.

Ich bleibe dran. Beecher hat mich noch nicht losgelassen.