Düster, spannend, unterhaltsam.

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Jocasta Regine Trelane will nichts weiter als ein 0815-Studentinnenleben, doch trägt sie ein Erbe in sich, das sie täglich mehr zu erdrücken scheint: Denn Jo ist die Tochter des Todes und ernährt sich von den negativen Gefühlen und Erlebnissen ihrer Mitmenschen.
Als ihre beste Freundin auf dem Campus der renommierten Beecher Universität ermordet wird, setzt die Nachfahrin alles daran, den Fall aufzuklären – und ihre Unschuld zu beweisen.
Zugleich erreicht sie die Nachricht, dass sie in ungewisser Zukunft den Posten ihres Erzeugers einnehmen muss. Und mit dieser über ihren Kopf hinweg getroffenen Entscheidung wird sie zur Zielscheibe. Plötzlich versinkt ihr geordnetes Dasein im Chaos und all die kommenden Ereignisse lassen die sonst so souveräne Jo gehörig straucheln …

„Death's Daughter“ lockte mich mit dem Titel, doch der Klappentext verführte mich vollends. Denn hinter dieser düsteren Romantasy steckt eine außergewöhnliche Idee – ein bisschen bizarr, ein wenig morbide und absolut spannend.

Erzählt wird die Fantasy-Story aus der Sicht des Todesabkömmlings. Wir lernen die geheimnisvolle Protagonistin und ihre Probleme im Jetzt kennen, erleben aber auch immer wieder traumatische Episoden ihrer Vergangenheit, die dazu führen, dass wir Jo, ihren Hass auf sich und den Tod mit fortschreitendem Verlauf besser verstehen können.
Aufgewachsen mit tödlichen Konfrontationen und Ablehnung ob ihrer Natur, herrscht in ihr der Widerwille, ihre Macht zu gebrauchen, die Angst, die Kontrolle zu verlieren, und denjenigen ernsthaft Schaden zuzufügen, die sie liebt. Ihr Versuch, stets Distanz zu wahren, die Last, ihr wahres Wesen auf ewig verbergen zu müssen, nie vollkommen ehrlich sein zu können, und die Schuld, von der Tragik des Einzelnen zu zehren, setzen der jungen Frau merklich zu. Neben den anderen verstreuten Wahrheiten war Jos Charakter bereits eine erfrischende Überraschung, ist sie anders als vermutet – bemüht, beherrscht und reflektiert. Was auch ihr Schock über den Verlust, ihre Sorge um die anderen Studierenden, ihr Engagement, den oder die TäterIn zu finden, und ihre Verletzlichkeit in Carters Nähe zeigen.

Dass sich Jocasta für eben jene Universität entschied, weil niemand der anderen Welt Anspruch auf Beecher erhoben hat und Kriminalität hier kaum vorhanden ist, lässt Lennies Ableben und das plötzliche Auftauchen von Devon ein wenig ironisch erscheinen …
Der trockene, bittere Humor, der dem Ganzen gewissermaßen inne liegt, war trotz der bedrückenden Umstände, der Gewissheit, dass ein Mörder in der Nähe ist, und Jos wachsender Wut, ihrer Unsicherheit unterhaltsam. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas am Werk ist, das weder normal noch rein menschlich ist, dass Jocasta der Grund für die folgenschweren Unruhen ist, wächst mit jeder Seite – ebenso wie die Neugier.
Zwar bleiben die meisten Figuren blass, so sind aber zumindest Chessa, mit ihrer direkten Art, Carter, Jos bedeutsame, aber als beendet erklärte Affäre, und Devon, Neuankömmling auf dem Campus und Nachfahre der Lust, stets präsent und in die „Ermittlungen“ involviertWer jetzt auf ein Love-Triangle hofft, wird ebenso enttäuscht sein wie diejenigen, die hinter dem wunderschönen Cover eine spicy Romance zu finden glauben. Die einzig dunkle Begierde, die sich zwischen den Seiten versteckt, ist jene nach Rache und Lebensenergie. Zwar gibt es eine explizite Szene, des Öfteren derbe Sprache und auch romantische, sehnsuchtsvolle Gefühle, doch diese positionieren sich hintergründig und nehmen, wie so vieles, eine ungeahnte Wendung. Dafür lagen unausgesprochene Worte, reichlich Konfliktpotenzial und durchdringendes Misstrauen, der Geruch von Verrat, schwer in der Luft, was der dichten, mystischen Stimmung zugutekam.

Es war interessant, Jocasta und ihre schwierigen Lebensumstände zu entdecken, aufregend, sie zu begleiten, und einen Blick auf die widernatürlichen Machtspielchen werfen zu können. Wenn mir auch griffige Informationen über die „Magie“ und die Möglichkeiten, mehr Input über die verschiedenen Abkömmlinge, die Uralten und Mythen fehlten. Nichtsdestotrotz schaffte es die Autorin, sämtliche Verwicklungen, die Lennies Ableben und das der anderen Opfer betreffen, geschickt und nachvollziehbar aufzudröseln. Uns zum Spekulieren und Mitfühlen zu animieren.
S. A. Barnes kreierte ein beengendes Setting samt emotionaler, schmerzlicher Momente, dennoch gab es immer wieder Abschnitte, in denen es an Vorankommen, an Tempo und Entwicklung mangelte. Was aber nicht bedeuten soll, dass das Geschehen an Reiz verlor. Dafür mochte ich den bedachten, klaren Stil, den ernsten Ton und die unterschwellige (An)Spannung. Die Autorin verlor sich weder in lapidaren Floskeln noch in zu einfachen Worten – es war leicht, dem bildreichen, atmosphärischen Verlauf zu folgen. Sich von der Ungewissheit mitreißen zu lassen. Etliche Offenbarungen, die alles verändern, schmerzliche Wahrheiten und Fehlschläge warten, während die Handlung, heißt die Ermittlung, von tiefgehenden Einblicken in Jocasta, einer sich verändernden Dynamik, von Vermutungen, Verlusten und neuen bedrohlichen Ereignissen bereichert wird. Die letzten Kapitel fand ich – wie so vieles – on point und obgleich am Ende kein signifikanter Cliffhanger steht, hat Jo gewiss noch einige Kämpfe zu schlagen.

„Death's Daughter“ war trotz kleiner Kritik ein mitreißender Fantasy-Roman, der mit einer einfallsreichen Idee, einer starken, konsequenten Protagonistin, einem Who-dun-it-Plot und einer besonderen Stimmung punktet und dabei ohne Romance-Fokus auskommt. Ich würde mich freuen, mehr aus dieser Welt zu lesen, und spreche eine Empfehlung für diese liebevoll gestaltete Geschichte aus.