Dunkles Erbe & Tödliche Wahrheiten

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Atmosphärisch, spannend und ein Schreibstil, weder zäh noch langatmig, durch den sich das Buch wirklich richtig gut durchsuchten lässt - und dazu noch der Mystery-Anteil… und genau damit hat mich Death’s Daughter bis zum Schluss überzeugt!

Die Grundidee rund um die Tochter des Todes hat mir von Anfang an sehr gefallen und zusammen mit dem Dark-Academia-Setting entsteht so eine leicht düstere Stimmung, die für mich erstaunlich gut funktioniert hat - stellenweise hatte ich sogar ein wenig Buffy-Nostalgie-Vibes :)

Bei dem ganzen Murder-Mystery-Part hatte ich erst leichte Bedenken, dass alles zu offensichtlich sein könnte, aber man konnte mitfiebern, miträtseln, ich hatte durchaus manche Vermutungen und wurde bei einigen Dingen dann trotzdem noch überrascht. Genau das mochte ich ziemlich gerne, weil man nicht komplett im Dunkeln tappt, aber eben auch nicht schon viel zu früh alles durchschaut.

Jo bzw. Jocasta selbst fand ich im Allgemeinen wirklich interessant und zum Teil auch ein klein wenig frustrierend.

„Ich bin, wer ich bin, trotz meiner Abstammung und nicht wegen ihr.“

Ihre Probleme, Wünsche und vor allem diese ständige Zerrissenheit haben für mich gut funktioniert: auf der einen Seite ihr Wunsch, ihre Menschlichkeit zu bewahren und sich eben nicht nur über ihre Abstammung definieren zu lassen, auf der anderen das, was nun einmal ebenfalls in ihr steckt. Gerade die Einblicke in ihre Vergangenheit haben dabei geholfen, ihre Entscheidungen und Gedanken besser zu verstehen oder zumindest verstehen zu wollen. Die Einschübe waren im Buch gut gewählt und auch nie zu lang, sodass sie den Lesefluss nicht ausgebremst haben.

Und trotzdem hätte ich mir gerade bei Jo noch ein wenig mehr gewünscht. Weniger dauerhaftes Kämpfen gegen sich selbst, dafür irgendwann vielleicht etwas mehr wirkliche Akzeptanz dessen, was sie nun einmal ist. So ein bisschen mehr Bada*ss-Vibes, etwas mehr Egoismus an den richtigen Stellen und ehrlich gesagt auch ein paar Momente, in denen sie wirklich „kurz davor ist, sich zu verlieren“. Gerade weil so viel in ihr steckt, hätte ich ihre „dunklere Seite“ gerne noch deutlicher gesehen.

Beim Worldbuilding wollte ich ebenfalls irgendwann einfach mehr. Es werden so viele spannende Dinge eröffnet, dass ich gerne noch tiefer in diese „andere Welt“, ihre Regeln und Strukturen und vor allem die verschiedenen Figuren und Verbindungen eingetaucht wäre. Gerade die Uralten und ihre Nachkommen bzw. Sprösslinge machen mich unglaublich neugierig. Ich hoffe wirklich, Band 2 wartet vielleicht sogar mit einer Art Stammbaum auf, damit man jeden Spross und auch dessen Kraft zuordnen kann.

Den Romance-Anteil fand ich angenehm anders - für mich weniger klassische Romance und eher eine Mischung aus Forbidden Love und dieser etwas eigenartigen Nicht-Beziehung-Beziehung… gerade zwischen Jo und Carter spielt dieses „eigentlich sollte das so nicht sein“ ja durchaus mit hinein.
Grundsätzlich fand ich diesen kleinen Tanz aus Nähe und Distanz passend, auch wenn ich mir stellenweise noch ein wenig mehr Spannung und Chemie gewünscht hätte - also ja, so ein bisschen mehr Knistern hätte ich definitiv genommen.
…und dann taucht Devon auf und wirbelt alles einmal ordentlich durch…

Dass ich Band 2 lesen werde, steht jedenfalls fest - allein schon, weil ich von gewissen Figuren definitiv mehr brauche. Gerade der so beherrschte Carter ist eine der Figuren, von denen ich unbedingt noch mehr sehen möchte. Ich mochte ihn leider, da bin ich ehrlich, schon ziemlich früh :)
Auf seine Rolle, seine Entscheidungen und darauf, was bei ihm vielleicht noch unter der Oberfläche liegt, bin ich besonders gespannt.

Und auch wenn das Ende für mich etwas schneller kam, als ich es mir gewünscht hätte, war es trotzdem stimmig umgesetzt und insgesamt rund genug. Gleichzeitig bleibt genug offen, um mich ziemlich neugierig darauf zu machen, welche Konsequenzen das alles noch haben wird.

Also für mich war Death’s Daughter damit ein sehr guter 4-Sterne-Read. Atmosphäre, Mystery, Grundidee und Lesefluss haben richtig gut funktioniert. Für die volle Punktzahl haben mir vor allem noch mehr Worldbuilding, ein bisschen mehr Tiefe und ehrlich gesagt auch mehr Dunkelheit, Schmerz und Kontrollverlust gefehlt.

Für Band 2 wünsche ich mir deshalb: mehr von Jos „dunkler Seite“, mehr von den Uralten und ihren Sprösslingen, mehr Zerrissenheit - und ja, bitte sehr viel mehr Carter.
(und ein Ahnenbuch oder einen Stammbaum!)