Spannende, etwas enttäuschende Geschichte

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punschpudding Avatar

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Das war mein erstes Buch von der Autorin. Der Schreibstil ist recht flüssig, man kann das Buch schnell lesen, auch aufgrund der kurzen Kapitel und die Spannung ist meistens auch gut aufgebaut. Das Schicksal von Tyl, dem armen Jungen aus dem 12. Jahrhundert, der von seiner Familie verstoßen wird, von den Menschen auch noch ausgeraubt wird, dann von einem mysteriösen Adler (den er vorher insgeheim gesund gepflegt hatte) gerettet und zu anderen verstoßenen, unglücklichen Kindern, die mit anderen zauberhaften Adlern leben, hat mich berührt. Allerdings ab diesem Punkt wurde die Geschichte eher wirr und lieblos, mit Szenen, die ich Kindern gar nicht gerne zeigen würde (Kinder kämpfen gegen Kinder, es wird einem - Tyl - ein Messer in den Bauch gerammt usw.). Das Ende ist auch recht unbeendet - im Hinblick natürlich auf die Fortsetzung. In der Geschichte tauchen nach und nach - vom unnötig englischen Titel mal abgesehen - immer mehr englische Personennamen und geografische Bezeichnungen auf, die eher unnötig wirken, bzw, das Setting unübersichtlich machen. Es wird die Pazifik erwähnt usw., während man im ersten Teil des Buches - Ritter, König werden erwähnt - eher von einer mitteleuropäischen Geschichte ausgehen kann. Die konkreten Lebensumstände hätten mich auch interessiert, und es hat mich beeindruckt, wie lange Tyl ohne Essen auskommen kann (etwas unrealistisch, wie ich finde), oder woher er ein neues Gewand statt des blutverschmierten bekommen kann. Diese Fragen werden nicht beantwortet, das Leben unter den verstoßenen Kindern wird nicht dargestellt, da sie von da an immer nur kämpfen (was nach einiger Zeit eher langweilig wird, und für Kinder fand ich die Szenen auch etwas verstörend).
Die Illustrationen haben mich nicht besonders beeindruckt, mit Ausnahme der auf der Doppelseite 22-23, wo man eine Szene von oben sieht, und die Stämme der Bäume wie Vogelkrallen ausschauen. Diese Zeichnung habe ich sehr atmosphärisch gefunden. Alles in allem eine schnelle, aber etwas enttäuschende Lektüre.