Spannender Krimi, leider schlecht übersetzt

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xirxe Avatar

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Schweden, 1993. Eine junge Frau wird tot im Fluss gefunden, Kopf rasiert, ausgezehrt, mit Spuren von Gefangenschaft – aber ohne jeden Hinweis, wer sie überhaupt ist. Kommissar Björling und seine Kollegin Johanna stochern in einem endlosen Waldgebiet im Nebel, bis Björlings eigene Tochter Malin beim Campen spurlos verschwindet. Sie ist gleich alt wie die Tote im Fluss und für Björling, der gerade erst seine Frau verloren hat, das Einzige, was ihn noch zusammenhält.
Das Buch ist erfreulich unblutig und nicht reißerisch, dafür mit drei verschiedenen Erzählebenen: Björlings Trauer und sein Absturz, Johannas eigene Vergangenheit mit einer suchtkranken Mutter und einem Trauma aus der Jugend, und natürlich die Ermittlungen selbst. Alle drei greifen gut ineinander, das ist wirklich spannend und stimmig erzählt. Kein Wunder, dass der Roman in Schweden den Krimipreis abgeräumt hat – die Jury lobte ihn als ergreifende Schilderung von Trauer und Verlust, die Spannung mit sprachlicher Schönheit verbindet. Und genau dieses letzte Wort, "språklig skönhet", ist das Problem.
Vallgren ist im Original bekannt für einen unglaublich dichten, atmosphärischen, oft leicht melancholischen und magisch-realistischen Stil. Auch die schwedischen Kritiker heben das durchgehend hervor: eine Rezensentin meinte, das Buch sei so sprachlich gelungen, dass man Passagen einfach noch einmal lesen müsse, nur wegen der sprachlichen Schönheit. Andere Stimmen beschreiben seine Sprache als ein Pendeln zwischen nackter Konkretheit und schmerzhaft schönen Formulierungen und sprechen davon, dass Vallgren besser schreibe als die meisten und Szenen erschaffe, die von Präsenz und Schmerz vibrieren.
Von dieser Sprachgewalt ist in der deutschen Übersetzung leider fast nichts angekommen. Da werden Magnolienblüten zu "Klumpen bunten Lehms", und ein schwedisches Wort für "vor allem" / "hauptsächlich" wird konsequent mit dem ähnlich klingenden Wort für "Vorname" verwechselt – heraus kommt Unsinn wie "Ungestört ist da nur der Vorname." Sätze, die im Original offenbar zum Nochmallesen einladen, wirken auf Deutsch einfach nur holprig oder schlicht falsch.
Das ist richtig schade, denn die Geschichte selbst hätte das Zeug zu einem richtig guten, atmosphärischen Krimi gehabt. Stattdessen bleibt nur Durchschnittsware übrig – nicht wegen der Story, sondern wegen der Übersetzung. Als Leserin bin ich enttäuscht. Wäre ich der Autor, wäre ich stinksauer.
Trotzdem: lest selbst, vielleicht stört euch das weniger als mich – die Geschichte um Björling, Johanna und die beiden vermissten Mädchen trägt auch so noch gut genug, um dranzubleiben.