Eine trügerische Idylle

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emand Avatar

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"Denn er ist es gewesen, der uns im Dorf in den vergangenen Jahrzehnten den Rhytmus vorgegeben hat, den wir um Rat haben fragen können und der Tagen folgen ließ, ganz so, als wäre er ein König, ja als wäre er der Dorfkönig gewesen." (S. 105)

Der Leser wird eingesogen in ein Idyll namens St. Margarethen; umgeben von Bergen, Weiden und Wiesen, Heidelbeersträuchen und einem Toten. Ausgerechnet der Dorfälteste musste sein Leben lassen - dem Kroisleitner sein Vater -. Das Dorf steht Kopf und mittendrin ein Polizist, dessen Vorname ein ewiges Geheimnis bleibt und deshalb "Frassek" gerufen wird. Er wollte nach der Trennung seiner Ehefrau und nach dem Stress mit seiner pubertierenden Tochter Vera nur ein paar Tage Urlaub machen. Als "fremder Wanderer" gerät er nicht nur in den Blick der Wirtin Lissi/Sissi, sondern auch der österreichischen Polizei. Es heißt nämlich, der 104jährige sei vergiftet worden. Der Sohn des Versicherten wird auch vernommen. Plötzlich war es eine Dorfbewohnerin, die die falschen Kräuter ins selbstgemachte Pesto gemischt hat. Alle drei geben sich nacheinander in einer kleinen Zelle die Klinke in die Hand. So jedenfalls ermittelt die österreische Polizei vor Ort.

Kommentiert und weiter erzählt wird alles von der Wirtin Lissi/Sissi. Als "Tratschtante" und selbst ernannter Königin des kleinen Dorfes will sie immer alles wissen und natülich weiter erzählen.

Während des ganzen Tumults lässt Schult eine Sängerin namens Amy Cornfield sterben und als Emma Kornfeld wieder auferstehen, die nach zehn Jahren wieder heimkommt und mit der eigenen Familiengeschichte hadert. Die Beschreibung ihres alten Egos Amy passt zufälligerweise zu einer realen englischen Sängerin mit Bienenkorbfrisur und Eyeliner die 2011 verstorben ist....

Frassek, der zwischendurch daheim in Berlin war und mit seiner Tochter Vera wieder nach St. Margarethen zurück gekehrt ist, ermittelt auf eigene Faust, was hinter dem Tod des Kroisleitners steckt. Dabei deckt er alte Geschichten und Verbindungen auf, fährt den gelben Smart von seinem Kollegen Sprotz kaputt und hilft dem Dorf, den Tod aufzuklären.

Was wie ein Theaterstück klingt, ist ein humorvoller und spannender Kriminalroman. Mit einer deftigen Prise frechen Humors, einer Portion Spannung und echten Charakteren unterhält Schult den Leser sehr gut. Jeder hat seine feste Rolle, der er bis zum Ende treu bleibt. Ecken und Kanten hat von den Protagonisten jeder, aber die meisten haben denoch ein großes Herz und (fast) alle halten zusammen.

Erzählt wird aus den Perspektiven von Frassek, dem jungen Kriosleitner und von Lissi. Es dauert eine Weile, bis man alle Namen, die im Buch vorkommen einsortieren kann, aber mit der Zeit klappt es ganz gut. Die Dialoge werden in teilweise in Dialekt gehalten. Das macht es authentischer.

Ein sehr gelungenes Werk und ich hoffe auf eine Fortsetzung....

Und nun beende ich meine Rezension und mir bleibt nur noch zu sagen "In St. Margarethen werden die Menschen alt."