Zurück im alten Leben
Die Leseprobe hat mich sofort neugierig gemacht, weil Ivona so ehrlich und schonungslos von sich erzählt. Gleich am Anfang gibt sie zu, dass sie ihren Ex stalkt, und genau diese Offenheit macht sie direkt greifbar. Man merkt, dass sie eigentlich weiß, wie sehr sie sich damit selbst verletzt, aber trotzdem nicht davon loskommt. Besonders mochte ich, wie nah ihre Gedanken beschrieben werden. Dieses Festhängen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen der Erinnerung an Vlaho und dem eigenen Leben, das gerade nicht so aussieht, wie sie es sich vorgestellt hat, fühlt sich sehr echt an. Gleichzeitig steckt auch viel trockener Humor in ihrem Blick auf sich selbst, auf ihren Vater und auf die Dinge in ihrem alten Kinderzimmer. Dadurch wirkt die Geschichte nicht nur traurig, sondern auch lebendig und manchmal fast komisch. Der Schreibstil ist direkt, bildhaft und sehr persönlich. Ich hatte Ivona sofort vor Augen, wie sie wieder bei ihrem Vater wohnt, Kaffee trinkt, an früher denkt und versucht, irgendwie mit dem ganzen Chaos klarzukommen. Für mich klingt das nach einer ehrlichen, melancholischen und klugen Geschichte über verlorene Liebe, Familie, Heimat und die Frage, wie man wieder bei sich selbst ankommt.