Ein sanftes, einfühlsames Debüt mit viel Flair.

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"Als wäre es nicht schon schlimm genug. Ich bin achtunddreißig, Single, habe keinen anständigen Job und wohne bei meinem Vater. Schlafe in dem Zimmer, das ich seit meiner Geburt bewohne, ausgenommen die zehn Jahre, in denen ich mit der Liebe meines Lebens ein Bett teilte. Vlaho."
Kapitel Eins
Nach einem guten Studium und einer wunderbaren Ehe ist Ivona wieder daheim gelandet. Keine Aussicht auf einen guten Job, von Vlaho hat sie sich scheiden lassen - und vermisst ihn dennoch in jeder Sekunde. Ihr Vater ist pflegebedürftig, das Anwesen ihrer Großmutter, Lovorun, das er noch in ein Hotel umbauen wollte, hoch verschuldet. Und Ivona hat keine Ahnung, wie sie das alles stemmen soll. Sie fühlt sich allein gelassen, von ihrer Mutter, die viel zu früh gestorben ist, von ihrem Bruder, der sie mit all dem allein lässt, von ihrem Vater, der unbedingt an Lovorun festhalten will, von ihrem Land Kroatien, das sie zwar ein gutes Biologiestudium machen ließ, ihr jetzt aber keinerlei Jobaussichten bietet.
Ivona nimmt uns mit auf eine lange Reise, zu den Anfängen mit Vlaho, ihrer Zeit als Studenten und als junges Ehepaar. Er hat mit seinem Studium mehr Glück und einen Job gefunden, Ivona ist arbeitslos. Das Geld ist knapp, Kroatien noch nicht Teil der EU und macht es seinen Bewohner:innen schwer, auszuwandern. Und trotz all der Herausforderungen liest man in jeder Zeile ihren Stolz und ihre Liebe für dieses Land und seine Schönheiten, die sie auch uns näherbringt.
Jetzt, geschieden und wieder in ihrem Kinderzimmer angelangt, überlegt Ivona schweren Herzens Lovorun zu verkaufen. Dabei würde sie auch den Olivenhain verlieren, ihren Zufluchtsort seit Kindertagen.
Es fällt mir schwer, "Dem Meer entgegen" in ein Genre zu packen. Es ist die Geschichte einer Frau, die alle Farben sieht und aus ganzem Herzen liebt. Und die geplagt ist von der großen Angst, nicht genug zu sein, alles, was sie liebt, eines Tages zu verlieren. Jetzt tut sich unerwartet eine neue Chance auf, ein Käufer ist an Lovorun interessiert, ein neuer Mann an ihr, und sie könnte in Italien einen beruflichen Anfang als Biologin wagen. Doch da ist immer noch Vlaho, zu dem sie durchgehend Kontakt hatte und den sie immer noch aus ganzem Herzen liebt.
Wie ihr merkt, die Geschichte ist etwas anders als in der Klappe beschrieben, dennoch nicht weniger berührend. Sanft erzählt Lidija Hilje von einem kleinen Land mit großen Problemen, einer feinfühligen Protagonistin am Scheideweg und einer Liebe, die alles überdauert.
Mit feiner Feder beschreibt sie Ivona und auch Vlaho, die eine schwierige Kindheit hatten, sich damit schwer tun, eigene Entscheidungen zu treffen und sich zu lösen.
Da es im nicht ganz zum Buch passenden Klappentext nicht steht, hier eine Spoiler- und Triggerwarnung: Die Geschichte handelt auch von ungewollter Kinderlosigkeit und psychischen Problemen/Depressionen.

Fazit:
Ein sanftes, einfühlsames Debüt mit viel Flair.