Emotional ohne kitschig zu sein

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Ich bin zufällig auf das Buch aufmerksam geworden und war vom Klappentext gar nicht so angetan – aber die Leseprobe hat mich sofort eingenommen und dann auch das ganze Buch!
Nach zwei Jahrzehnten reist Ivona zurück in ihre alte Heimat an die kroatische Adriaküste. Die Rückkehr nach Zadar weckt längst begraben geglaubte Erinnerungen an ihre Jugend und konfrontiert sie unverhofft mit ihrem Ex-Mann Vlaho. Die Begegnung rührt an alten Wunden und lässt verdrängte Gefühle aufleben. Sie erinnert sich an Fehlentscheidungen und muss nun herausfinden, wie ein echter Neuanfang für sie aussehen kann.
Der Klappentext erweckt vielleicht den Eindruck eines typischen Liebesromans, doch für mich ging die Geschichte viel tiefer. Das Buch lebt von seinen ruhigen Innenansichten. Es geht um verpasste Chancen, Selbstzweifel und Verantwortung, ohne jemals in Kitsch abzudriften. Die Kulisse am Meer ist wunderschön eingefangen; man sollte aber wissen, dass die Handlung selbst oft auf der Stelle tritt. Mich hat das nicht gestört, ganz im Gegenteil: Ich habe die vielen Gedanken und Innenansichten von Ivona sehr genossen.
Ich habe sie mit all ihrer Traurigkeit und ihren Zweifeln schnell in mein Herz geschlossen. Ivona ist eine Frau, die erst an andere denkt, bevor sie ihre eigenen Bedürfnisse erfüllt. Das war schon in ihrer Jugend so und setzt sich in der Gegenwart fort. Ihr Ringen zwischen romantischen Gefühlen und Pflichtbewusstsein hat mich sehr berührt, auch wenn ich manchmal dachte, sie könnte ruhig ein wenig mehr an sich selbst denken.
Ihr Ex-Mann Vlaho ist verständnisvoll, liebevoll und voller echter Gefühle – fast schon ein wenig zu gut, aber ich konnte nicht anders, als ihn zu mögen. Deshalb hat er mir auch leidgetan, weil er unverschuldet und ohne Ahnung von den echten Hintergründen um eine echte Liebe gebracht wurde.
Erzählt wird die Geschichte sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. So ergibt sich nach und nach ein komplettes Bild, warum Ivona nun in der Situation ist, in der sie sich befindet. Dabei erzählt sie selbst in der Ich-Form, sodass ich mich gut in sie hineinversetzen konnte. Der Schreibstil ist emotional und schafft unheimlich viel Atmosphäre. Durch die Ich-Perspektive und den Wechsel der Zeitebenen war ich nah an Ivona dran. Es fühlte sich für mich fast so an, als würde ich einer alten Kindheitsfreundin durch die verschiedenen Stationen ihres Lebens folgen.
Für mich ein unerwartetes Highlight, das ich gerne empfehle, wenn man Bücher mag, in denen Innenansichten und weniger eine rasante Handlung im Vordergrund stehen.