Ivona
Nichts von ihrem Leben ist so, wie sie es sich einmal erhofft hat. Ivona ist Ende 30, von ihrer großen Liebe Vlaho geschieden, und wohnt nach dessen Schlaganfall bei ihrem Vater, um ihn zu pflegen. In ihrem Studienberuf als Biologin gibt es für sie keine Beschäftigungsmöglichkeit in Kroatien, sodass sie weit unter ihrer Qualifikation in einem Schreibwarenladen arbeitet.
Doch da gibt es noch Lovorun. Ein Wort, ein Ort, der so viel verkörpert. Das Anwesen ihrer verstorbenen Großmutter mit Olivenhain weckt Erinnerungen an eine ursprüngliche, naturverbundene Kindheit, fernab ihrer streitenden Eltern und immer negativen, wertenden Mutter. Und gleichzeitig steht in der Gegenwart auch dieses Idyll auf dem Spiel, denn nach dem geplanten Umbau in ein Hotel ist ihr Vater mit dem Anwesen hoch verschuldet.
So sehr wie Ivonas Gegenwart in Scherben zu liegen scheint, so sehr schimmert auch immer wieder Hoffnung durch. In der Wissenschaftlerin aus Italien der sie begegnet, in Asier, der Lovorun kaufen möchte und zuweilen auch in den Begegnungen mit Vlaho. Wir erfahren in Rückblicken mehr über ihre und Vlahos große Liebe, ein echtes Begegnen zweier Menschen im Innersten. Was sie trotzdem getrennt hat, bleibt gelungen lange im Dunkeln.
Gefallen hat mir auch der gesellschaftskritische Blick der Autorin. Ihre Protagonistinnen bewegen sich authentisch in einer kroatischen Gesellschaft, die von Post-Sozialismus und Krieg noch immer geprägt ist und in der Vitamin B und ein männliches Geschlecht mehr zählen als Leistung. Die bedrückende Situation im Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft in der ganze Landstriche deindustrialisiert, und ihre Bewohnerinnen arbeitslos werden scheint zwischen den Zeilen durch, ebenso wie die Bereicherung Einzelner, die ehemalige Staatsbetriebe günstig erwerben und bis zum Bankrott ausverkaufen, ein Muster, das sich auch in der Transformation der DDR Wirtschaft nach der Wiedervereinigung ähnlich wiederfindet.
Die Sprache ist oft poetisch, mir persönlich war das zuweilen zu viel. Auch waren für mich nicht alle Bilder und Vergleiche gelungen, mit denen die Autorin Gefühle und Situationen einzufangen versucht. Zwischenzeitlich gab es kleinere für mich irritierende Logikfehler, wie Asiers Augen, die wahlweise grau, grüngrau, grün und schiefergrau waren.
Mich hat der Roman sehr gut unterhalten, besonders die Einblicke in die kroatische Gesellschaft und die Lebenswelt meiner eigenen Generation darin waren für mich neu und sehr informativ. Die Liebesgeschichte und Ivonas Weg haben mich berührt und zuletzt auch einen Sog entstehen lassen, der mich das Buch nicht mehr aus der Hand hat legen lassen. Mit der Botschaft und Entwicklung war ich jedoch am Ende nicht ganz glücklich.
Dem Meer entgegen ist ein zeitgenössischer Roman, der das Leben der Generation Y in der postsozialistischen kroatischen Gesellschaft authentisch einfängt und in eine bewegende Liebes- und Emanzipationsgeschichte einbettet. Auch wenn der Roman für mich kleine Schwächen hatte und insbesondere der poetische Stil nicht durchgängig nach meinem Geschmack war, hat mir der Roman sehr schöne Lesestunden beschert, mir Wissen über die kroatische Gesellschaft vermittelt und mich zum Nachdenken angeregt.
Doch da gibt es noch Lovorun. Ein Wort, ein Ort, der so viel verkörpert. Das Anwesen ihrer verstorbenen Großmutter mit Olivenhain weckt Erinnerungen an eine ursprüngliche, naturverbundene Kindheit, fernab ihrer streitenden Eltern und immer negativen, wertenden Mutter. Und gleichzeitig steht in der Gegenwart auch dieses Idyll auf dem Spiel, denn nach dem geplanten Umbau in ein Hotel ist ihr Vater mit dem Anwesen hoch verschuldet.
So sehr wie Ivonas Gegenwart in Scherben zu liegen scheint, so sehr schimmert auch immer wieder Hoffnung durch. In der Wissenschaftlerin aus Italien der sie begegnet, in Asier, der Lovorun kaufen möchte und zuweilen auch in den Begegnungen mit Vlaho. Wir erfahren in Rückblicken mehr über ihre und Vlahos große Liebe, ein echtes Begegnen zweier Menschen im Innersten. Was sie trotzdem getrennt hat, bleibt gelungen lange im Dunkeln.
Gefallen hat mir auch der gesellschaftskritische Blick der Autorin. Ihre Protagonistinnen bewegen sich authentisch in einer kroatischen Gesellschaft, die von Post-Sozialismus und Krieg noch immer geprägt ist und in der Vitamin B und ein männliches Geschlecht mehr zählen als Leistung. Die bedrückende Situation im Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft in der ganze Landstriche deindustrialisiert, und ihre Bewohnerinnen arbeitslos werden scheint zwischen den Zeilen durch, ebenso wie die Bereicherung Einzelner, die ehemalige Staatsbetriebe günstig erwerben und bis zum Bankrott ausverkaufen, ein Muster, das sich auch in der Transformation der DDR Wirtschaft nach der Wiedervereinigung ähnlich wiederfindet.
Die Sprache ist oft poetisch, mir persönlich war das zuweilen zu viel. Auch waren für mich nicht alle Bilder und Vergleiche gelungen, mit denen die Autorin Gefühle und Situationen einzufangen versucht. Zwischenzeitlich gab es kleinere für mich irritierende Logikfehler, wie Asiers Augen, die wahlweise grau, grüngrau, grün und schiefergrau waren.
Mich hat der Roman sehr gut unterhalten, besonders die Einblicke in die kroatische Gesellschaft und die Lebenswelt meiner eigenen Generation darin waren für mich neu und sehr informativ. Die Liebesgeschichte und Ivonas Weg haben mich berührt und zuletzt auch einen Sog entstehen lassen, der mich das Buch nicht mehr aus der Hand hat legen lassen. Mit der Botschaft und Entwicklung war ich jedoch am Ende nicht ganz glücklich.
Dem Meer entgegen ist ein zeitgenössischer Roman, der das Leben der Generation Y in der postsozialistischen kroatischen Gesellschaft authentisch einfängt und in eine bewegende Liebes- und Emanzipationsgeschichte einbettet. Auch wenn der Roman für mich kleine Schwächen hatte und insbesondere der poetische Stil nicht durchgängig nach meinem Geschmack war, hat mir der Roman sehr schöne Lesestunden beschert, mir Wissen über die kroatische Gesellschaft vermittelt und mich zum Nachdenken angeregt.