Zwischen den Gezeiten des Lebens
Ivona und Vlaho lernen sich während des Studiums in Zagreb kennen. Aus ihrer Liebe erwächst eine innige Beziehung, und nach dem Studium ziehen die beiden gemeinsam nach Zadar, in Ivonas Heimatstadt. Während Vlaho nach seinem BWL-Studium bald einen Job bei einer Bank findet, bekommt Ivona mit ihrem Abschluss in Biologie nur Absagen. Das liegt nicht allein an ihrem Studienfach, sondern vor allem an der allgegenwärtigen Wirtschaftskrise, die Kroatien zu dieser Zeit fest in der Hand hat. Doch auch mit begrenzten Mitteln bauen Ivona und Vlaho sich ein Leben auf, in dem es ihnen an nichts mangelt. Monate und Jahre gehen ins Land, ohne dass sich an ihrer wirtschaftlichen Schieflage etwas ändert. Als Ivona zusätzlich eine Diagnose erhält, die ihr Selbstverständnis grundlegend verändert, endet die Beziehung der beiden. Allerdings sind ihre Leben bereits so verwoben, dass Ivona auch Teil von Vlahos Leben bleibt, als dieser erneut heiratet und zwei Kinder bekommt. Vlaho wird Vater, Ivona wird Patentante, das Leben geht weiter. Ihr Dasein verläuft parallel, bis fast zwanzig Jahre nach ihrer Trennung von Vlaho ein neuer Mann in Ivonas Leben tritt: Asier. Damit gerät aus dem Gleichgewicht, was Vlaho, Ivona und Vlahos zweite Frau Marina über die Jahre vorsichtig aufgebaut und gefestigt haben. Plötzlich kommt ihr Trio aus dem Tritt, und keiner ist sich seiner Position mehr sicher. Was bisher unumstößlich schien, erscheint nun in einem neuen Licht.
Die Geschichte von Vlaho und Ivona beginnt wie so viele Liebesgeschichten, die schließlich an einem Kinderwunsch zerbrechen. Doch die Autorin Lidija Hilje spannt den Bogen weiter und hört nicht auf zu erzählen, als die Beziehung von Vlaho und Ivona endet - denn die Geschichte geht noch weiter. Auch nach einer Trennung endet das Leben nicht, hören die Gefühle für den anderen nicht einfach auf. Sie werden einfach Teil dessen, was danach kommt: Teil des nächsten Lebensabschnitts, Teil der nächsten Beziehung, fügen sich ein in ein Mosaik aus Emotionen, in ein Kaleidoskop aus Wünschen und Träumen. Diesen Umstand hat Hilje auf eine sehr erwachsene Art und Weise eingefangen, ohne zu dramatisieren oder zu übertreiben. Unsere Gefühle definieren uns nicht, aber sie machen uns zu der Person, die wir sind.
Es gelingt der Autorin auf besondere Art und Weise, die Intensität der Zuneigung zwischen den zwei Hauptfiguren zu beschreiben. An keinem Punkt des Romans hatte ich Zweifel an der Kraft, die die beiden zueinander drängt. Und doch gelingt es ihr, diese Emotionen mit der Realität in Einklang zu bringen, in der Vlaho und Ivona leben. Keiner von uns liebt im luftleeren Raum; wir alle existieren vor einer Leinwand aus Tatsachen, die die Weichen für den Verlauf unseres Lebens stellen. Unser Weg ist nicht vorgezeichnet, und doch zeichnen sich manche Pfade stärker ab als andere, sind manche Gabelungen leichter zu entdecken und andere schneller übersehen.
Ich habe mit Vlaho und Ivona mitgefühlt ebenso wie mit den Nebencharakteren Asier und Marina. Teilweise hätte ich mir einen etwas durchgängigeren Spannungsbogen gewünscht, da das Tempo der Erzählung zeitweise stark fluktuiert.
Insgesamt ist "Dem Meer entgegen" eine sehr erwachsene Erzählung, die mit viel Reife von Brüchen in Biografien erzählt, die keinesfalls das Ende darstellen, sondern allenfalls einen Richtungswechsel. Der Roman hat mir gefallen, hat mich allerdings nicht tief berührt oder nachdenklich gemacht.
Die Geschichte von Vlaho und Ivona beginnt wie so viele Liebesgeschichten, die schließlich an einem Kinderwunsch zerbrechen. Doch die Autorin Lidija Hilje spannt den Bogen weiter und hört nicht auf zu erzählen, als die Beziehung von Vlaho und Ivona endet - denn die Geschichte geht noch weiter. Auch nach einer Trennung endet das Leben nicht, hören die Gefühle für den anderen nicht einfach auf. Sie werden einfach Teil dessen, was danach kommt: Teil des nächsten Lebensabschnitts, Teil der nächsten Beziehung, fügen sich ein in ein Mosaik aus Emotionen, in ein Kaleidoskop aus Wünschen und Träumen. Diesen Umstand hat Hilje auf eine sehr erwachsene Art und Weise eingefangen, ohne zu dramatisieren oder zu übertreiben. Unsere Gefühle definieren uns nicht, aber sie machen uns zu der Person, die wir sind.
Es gelingt der Autorin auf besondere Art und Weise, die Intensität der Zuneigung zwischen den zwei Hauptfiguren zu beschreiben. An keinem Punkt des Romans hatte ich Zweifel an der Kraft, die die beiden zueinander drängt. Und doch gelingt es ihr, diese Emotionen mit der Realität in Einklang zu bringen, in der Vlaho und Ivona leben. Keiner von uns liebt im luftleeren Raum; wir alle existieren vor einer Leinwand aus Tatsachen, die die Weichen für den Verlauf unseres Lebens stellen. Unser Weg ist nicht vorgezeichnet, und doch zeichnen sich manche Pfade stärker ab als andere, sind manche Gabelungen leichter zu entdecken und andere schneller übersehen.
Ich habe mit Vlaho und Ivona mitgefühlt ebenso wie mit den Nebencharakteren Asier und Marina. Teilweise hätte ich mir einen etwas durchgängigeren Spannungsbogen gewünscht, da das Tempo der Erzählung zeitweise stark fluktuiert.
Insgesamt ist "Dem Meer entgegen" eine sehr erwachsene Erzählung, die mit viel Reife von Brüchen in Biografien erzählt, die keinesfalls das Ende darstellen, sondern allenfalls einen Richtungswechsel. Der Roman hat mir gefallen, hat mich allerdings nicht tief berührt oder nachdenklich gemacht.