Ein Buch, das im Herzen nachklingt – absolute Leseempfehlung!

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
chivathewolf Avatar

Von

Schon als ich das Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, war ich von der Gestaltung begeistert. Das Cover strahlt eine wunderbar melancholische, fast schon mystische Atmosphäre aus, die perfekt auf die Stimmung des Inhalts einstimmt. Der festlich gedeckte Tisch fängt die Tradition des altsardinischen Allerheiligen-Brauchtums auf eine sehr ästhetische Weise ein.
​Im Zentrum der Geschichte steht Iride, die nach der Scheidung von ihrem Mann und dem Tod ihres Vaters in ihr Heimatdorf auf Sardinien zurückkehrt. Während sie das alte Anwesen ausräumt, stößt sie auf lang gehütete Geheimnisse über ihre Vorfahrin Mimì. Die Erzählung verbindet zwei Zeitebenen – die Gegenwart und das ausgehende 19. Jahrhundert – zu einem faszinierenden Geflecht.
​Maria Laura Berlinguer setzt die Thematik der familiären Identität, alter Riten und einer verbotenen Liebe unglaublich feinfühlig um. Für mich war das Buch besonders reizvoll, weil die Autorin selbst aus Sardinien stammt und nachweislich eigene Familienerinnerungen in den Fiktionsstoff eingebracht hat. Das spürt man in jedem Kapitel. Der Schreibstil ist extrem bildhaft, fast schon sinnlich und einhüllend. Die raue Natur der Insel wird so lebendig beschrieben, dass man die Kräuter fast riechen kann.
​Die Figuren haben mich vollkommen überzeugt. Sie wirken extrem authentisch, vielschichtig und tragen eine spürbare Last der Vergangenheit mit sich. Besonders Mimìs Schicksal im Jahr 1899 und ihr Mut zur Unabhängigkeit haben mich emotional tief berührt.

Der Abend der Seelen ist weit mehr als eine Familiensaga – es ist eine stimmungsvolle Reise in die Seele Sardiniens. Ein absolut mitreißender Roman voller Dramatik und Atmosphäre. Ich empfehle das Buch allen Leserinnen und Lesern, die tiefgründige Geschichten, vielschichtige Frauenfiguren und geheimnisvolle Lokalkolorits schätzen