Eine Familiengeschichte auf zwei Zeitebenen

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dieunterhoferin Avatar

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Das Buchcover finde ich sehr schön. Die Farben, der Malstil und die Szene mit dem leeren Tisch finde ich gelungen, sprechen einen an und machen neugierig auf die Geschichte.

Das Buch handelt von Iride, die in ihren Heimatort Padria zurückkehrt, weil ihr Vater gestorben ist. In der Familienvilla lebt nun mehr ihre Tante, Tata Manuella. Sie hat seit jeher die Geheimnisse der Familie gehütet. Als Iride ein altes Familienfoto findet, beginnt Tata Manuella von Mimì zu erzählen, der Ururgroßmutter Irides. Donna Mimì lebte in einer unglücklichen Ehe, hatte eine außergewöhnliche Frauenfreundschaft und war heimlich verliebt – bis sie spurlos verschwunden ist. Iride begibt sich auf Spurensuche und hofft auch für ihr eigenes Leben auf Antworten…

Maria Laura Berlinguer hat ein sehr schönes Buch geschrieben. Die Geschichte entfaltet sich auf zwei Zeitebenen. Einerseits gibt es die literarische Gegenwart im Jahr 2022, die Zeit, in der Iride in ihren Heimatort zurückkehrt. Auf der anderen Seite gibt es den Erzählstrang in der Vergangenheit in Jahr 1899, indem die Autorin Mimìs Geschichte aufleben lässt. Wie dabei das Leben von adeligen Frauen dargestellt wird, habe ich als sehr authentisch empfunden. Den Schreibstil der Autorin mag ich sehr. Sie schreibt spannend und fesselnd, aber auch sehr atmosphärisch. Von Beginn an hat man beim Lesen schon gespürt, dass es brodelt und Unausgesprochenes in der Luft liegt. Maria Laura Berlinguers Schreibstil hat beim Lesen auch Emotionen geweckt, vor allem mit Mimì habe ich sehr mitgefühlt.

Mit dem Thema der Seelen (von Verstorbenen), hat das Buch auch eine leicht mystische Komponente bekommen, was mir sehr gefallen hat. Eine Buchstelle, die mir in dem Kontext besonders gefallen hat, war folgende: „Das Seelenmahl war nah. Las animas malas würden sich vorwagen und Forderungen stellen, die kein Traum auszudrücken vermochte. Es galt, diesen umherirrenden Geistern zu helfen, die von ungesühntem Unrecht und nie gelüfteten Geheimnissen hier festgehalten wurde: Tata wusste das. Nur so würden sie Frieden finden. Und nicht nur sie.“ Tata Manuellas Offenbarung des Geheimnisses hat daher in gewisser Weise eine „reinigende“ Funktion. Schön war auch zu sehen, wie sich die Frauenfiguren im Laufe der Handlung entwickelt haben.
„Der Abend der Seelen“ ist eine emotionale Geschichte über Liebe, Verlust und Familiengeheimnisse und hat mir schöne Lesestunden bereitet. Sehr empfehlenswert!