Melancholischer Wirtshaus-Kosmos und die Wucht alter Dorfgeschichten
Das Buch hat einen unheimlich erdigen, fast archaischen Sog, der mich von der ersten Zeile an gepackt hat. Die beklemmende Schwüle vor dem hereinbrechenden Gewitter, das langsame Heranwalzen der schwarzen Wolkenwand und die nackte, tief sitzende Angst des alten Wirts Michel Gruber vor dem Donnern – das ist mit einer sprachlichen Wucht beschrieben, die einem förmlich die Kehle zuschnürt. Michels Kindheitserinnerung an den brennenden Nachbarhof, die schreienden Schweine im Feuer, den späteren Suizid des Bauern und das Trauma, das ein Leben lang nachhallt, zeigt sofort: Das hier ist keine verklärte Landlust-Idylle, sondern ein Stück harte, ungeschminkte Dorfrealität. Wie er allein im dämmrigen Wirtshaus sitzt, das Telefon nicht abnimmt und die Geister alter Unfälle am Tisch aufziehen sieht, erzeugt eine grandiose, dichte Melancholie.
Der Wendepunkt kommt mit der resoluten Liz, die trotz des Unwetters durch die Tür schneit, weil sie genau weiß, dass man den alten Michel bei solchem Wetter nicht allein im Dunkeln hocken lassen darf. Als Zugezogene aus Österreich bringt sie frischen Wind in die muffige Stube, die über Generationen ein reiner Männertreffpunkt war, und lockt mit stoischer Ruhe die Geschichte des legendären Wirtshaustischs aus ihm heraus.
Die Entstehung dieses massiven Kirschholztischs ist großartig erzählt: Ein gefällter Riesenbaum aus dem Inflationsjahr 1923, der viel zu wuchtig für jede Bauernstube war, draußen überwintern musste und schließlich den Bau des ganzen Gasthauses um sich herum erzwang, weil man das Monstrum nicht mehr wegschleppen konnte. Dass dieser „Donnerwettertisch“ über Jahrzehnte zum eigentlichen Herz des Ortes wurde – ein Schmelztiegel für Streitigkeiten, Seemannsgarn, Flunkereien und handfeste Raufereien –, fängt den Zauber des mündlichen Erzählens perfekt ein. Jeder im Dorf wollte am Ursprung der Kirschbaum-Setzlinge von 1871 mitgesponnen haben, sei es der heimkehrende Soldat, der fahrende Händler mit den zwei Ziegen oder der wandernde Zimmermann.
Tommie Goerz beweist hier ein enormes Gespür für fränkische Mentalität, schrullige Charaktere und die tiefe Verwurzelung von Mensch und Raum, ganz ohne folkloristischen Kitsch. Ein kraftvoller, unaufgeregter Roman über das Verschwinden alter Welten, den ich unbedingt ganz lesen möchte.
Der Wendepunkt kommt mit der resoluten Liz, die trotz des Unwetters durch die Tür schneit, weil sie genau weiß, dass man den alten Michel bei solchem Wetter nicht allein im Dunkeln hocken lassen darf. Als Zugezogene aus Österreich bringt sie frischen Wind in die muffige Stube, die über Generationen ein reiner Männertreffpunkt war, und lockt mit stoischer Ruhe die Geschichte des legendären Wirtshaustischs aus ihm heraus.
Die Entstehung dieses massiven Kirschholztischs ist großartig erzählt: Ein gefällter Riesenbaum aus dem Inflationsjahr 1923, der viel zu wuchtig für jede Bauernstube war, draußen überwintern musste und schließlich den Bau des ganzen Gasthauses um sich herum erzwang, weil man das Monstrum nicht mehr wegschleppen konnte. Dass dieser „Donnerwettertisch“ über Jahrzehnte zum eigentlichen Herz des Ortes wurde – ein Schmelztiegel für Streitigkeiten, Seemannsgarn, Flunkereien und handfeste Raufereien –, fängt den Zauber des mündlichen Erzählens perfekt ein. Jeder im Dorf wollte am Ursprung der Kirschbaum-Setzlinge von 1871 mitgesponnen haben, sei es der heimkehrende Soldat, der fahrende Händler mit den zwei Ziegen oder der wandernde Zimmermann.
Tommie Goerz beweist hier ein enormes Gespür für fränkische Mentalität, schrullige Charaktere und die tiefe Verwurzelung von Mensch und Raum, ganz ohne folkloristischen Kitsch. Ein kraftvoller, unaufgeregter Roman über das Verschwinden alter Welten, den ich unbedingt ganz lesen möchte.